Im Härtetest: Polar A360

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Spinnen die Finnen? Nachdem Polar als führender Hersteller von Herzfrequenz-Messgeräten nicht nur die Messung der Herzfrequenz per Brustgurtgurt als einzig probates Mittel für ein exaktes Body Feedback propagierte und die Herzfrequenz-Messung am Handgelenk beim Sport treiben als unzulänglich bezeichnete, bringt jener Hersteller mit dem A360 ein neues Modell, mit dem sich sowohl die Herzfrequenz beim Sport ohne Brustgurt als auch mit einem Herzfrequenz-Sender alter Schule messen lässt. Aber wollen wir wirklich päpstlicher als der Papst sein? Mitnichten, also haben wir dem androgynen Gerät eine ehrliche Chance gegeben und sind objektiv an die Sache herangegangen.

Der Test:
In Sachen Design haben die Finnen nach wie vor alle Sinne beisammen und so präsentiert sich der A360 in einem äußerst klassischen Style. Zunächst noch als schwarze und weiße Variante erhältlich, verleiht der A360 dem Handgelenk einen schmucken Look. Wenn er denn dann einmal endlich am Handgelenk sitzt, denn so schön sich das Teil präsentiert, so knifflig auch der Verschluss. Man muss schon etwas Geduld aufbringen, bis man den richtigen Kniff für den perfekten Sitz heraus hat. Wichtig vor allem, dass die Haken auch fest in den Ösen verankert sind und der A360 unterwegs nicht zufällig verloren geht. Damit haben wir schon die erste kleine Schwachstelle aufgedeckt und lassen derselben gleich eine weitere folgen. Um den kleinen Freund zu laden, ist eine ruhige Hand vorteilhaft. Die Ladestation am A360 selbst ist klein, sehr klein! Vorsicht ist geboten, bis der USB Anschluss korrekt sitzt. Aber mit geübter filigraner Fingerfertigkeit ist auch schnell diese Hürde überwunden.

Sämtliche Einstellungen können über die Polar Flow Software vorgenommen werden. Das geht simpel, schnell und stellt selbst bislang ungeübte Online-User vor keine unüberwindbaren Hürden. Eher im Gegenteil: Durch das komplette Menü werden Erstuser idiotensicher geleitet. Bei der Einstellung des Aktivitätslevels sollte man allerdings Ehrlichkeit walten lassen. Diesbezüglich kennt der A360 keine Gnade. Ansonsten kann man es sich während der Ladezeit des neuen Freundes im Sessel noch gemütlich machen. Nach rund zwei Stunden ist der Akku vollständig geladen und der A360 voller Tatendrang.

Bevor das Training beginnen kann, hat man die Qual der Wahl: Laufen, Biken, Indoor Fitness, Krafttraining, Schwimmen etc., es sind viele Sportarten im Menü hinterlegt, aus denen ausgewählt werden kann. Dann dauert es nur wenige Sekunden, bis der schmucke Trainingsfreund eine Zahl auf das Display wirft und die Herzfrequenz anzeigt. Bei unseren verschiedenen Testläufen unterschiedlicher Personen durften wir uns davon überzeugen lassen, dass Polar sich treu geblieben ist und alles andere als ein schmuckes, aber überflüssigen Trainingspartner ins Vorweihnachtsgeschäft bugsiert hat. Der A360 arbeitet auch ohne Brustgurt erstaunlich zuverlässig. Vor allem beim Indoorsport und bei weniger intensiven Sportarten wie Walken sind die Angaben ziemlich auf den Punkt. Probleme bekommt der A360, wenn die Intensität schnell gesteigert wird. Dann wurden wir das Gefühl nicht los, dass sich das Gerät erst einmal so richtig eingrooven muss. Hat er sich an den sprunghaften Anstieg gewöhnt, arbeitet er wieder zuverlässig. Weitere Einflussfaktoren auf die Exaktheit der Messung haben laut Hersteller Kälte und übermäßige Bewegung des Handgelenks.

Auf darstellende Softwareauswertungsvergleiche verzichten wir übrigens bewusst. Die Aussagekraft vergleichender Kurven ist wenig spektakulär, ob die Abweichungen gegenüber der klassischen Herzfrequenzmessung bei einer Differenz von 5 oder 7 Schlägen liegt, macht den Kohl für die anvisierte Zielgruppe nun wirklich nicht fett. Einmal abgesehen davon, dass Polar sich viel Zeit zum Tüfteln gelassen hat, um ein technisch einwandfreies und möglichst exaktes Gerät auf den Markt zu bringen, ist der A360 in erster Linie ein mit technischen Features vollgespickter Motivator.

Nach dem Training offeriert das Display automatisch mit der Beendigung einen kurzen Überblick über das Geleistete: Trainingszeit, maximale Herzfrequenz, durchschnittliche und unterste Herzfrequenz aufgegliedert in farbig untersetzten Zonen, die wiederum den Prozentbereich der Intensität und die jeweilige Dauer anzeigen, Trainingszeit, Kalorienverbrauch – ein echter kleiner Tausendsassa. Kann man sich 24 Stunden von dem Begleiter nicht trennen, zeichnet er jede Form der Bewegung – also auch den Gang zum Kühlschrank oder den Spaziergang an. In der Nacht zeichnet er auch noch das Schlafverhalten auf und resümiert alles fein anschaulich auf dem Display in der Tagesanzeige oder – dezidierter – mit Kurvenauswertung in dem Flow Online Tagebuch. Die entsprechenden Trainingsdaten können auch über die Flow App ins Trainingstagebuch hochgeladen werden.

Bewegungsmuffel werden schnell mit einem Summen daran erinnert, dass das Tagesziel nicht erreicht ist und schnellstens etwas Bewegung Not tut. Man entwickelt schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn der Aufpasser am Handgelenk sich meldet und mag bei längeren Autofahrten sogar genervt sein, wenn er sich wieder bemerkbar macht und zu Bewegung auffordert. Technisch ist der A360 in seiner Preisklasse ein Tausendsassa. Schließlich darf auch die ständige Erreichbarkeit beim Training nicht fehlen. Das Display informiert, wenn jemand auf dem Mobiltelefon anruft und wer.

Die Touchscreen-Bedienung ist übrigens ausgezeichnet, das Wischen über das Display, um die einzelnen Menüpunkte aufzurufen, funktioniert bestens und natürlich sind die grafischen Elemente schön anzuschauen. Besonders erfreut hat die Testerherzen die verschiedenen Darstellmöglichkeiten der Uhr- und Datumsanzeige. Was bei unseren Testmodellen leider nicht immer grandios funktionierte, war das Abrufen des Displays. Lauf Polar reicht eine kurze Bewegung des Handgelenks, um das Display mit Leben zu füllen. Das lief leider nicht immer einwandfrei und gerade beim Biken oder Laufen ist es einfach unpraktisch, erst die entsprechende Taste zu drücken, um die gewünschten Trainingsinformationen angezeigt zu bekommen. Das ist nun auch wirklich die letzte kleine Schwäche in einem ansonsten ausnahmslos großartigen Paket.

Fazit:
Der A360 ist ein idealer Trainingspartner am Handgelenk, der auch ohne Brustgurt auskommt und bis auf wenige Ausnahmen erstaunlich exakte Werte liefert. Wem das in Sachen Genauigkeit nicht reicht, kann auf den kompatiblen Polar Brustgurt zurückgreifen. Doch wir sind uns sicher: Das wird die Minderheit tun! Mit dem A360 setzt Polar sowohl in Sachen Design als auch im technischen Bereich einmal mehr die Latte vielleicht schon unerreichbar hoch. Die Bedienung ist denkbar einfach und äußerst komfortabel. Für Allrounder, für Fitnesssportler, für Lifestyler und Freunde des geschmackvollen Designs und selbst für ambitionierte Ausdauersportler ist der A360 ein sehr gelungener Trainings- und vielmehr noch 24 Stunden Begleiter. Ausdauerfreaks, die Zusatzfunktionen wünschen und Wert auf eine sehr exakte Trainingsauswertung legen, die ihre Saison und ihre Wettkämpfe punktgenau planen, sollten auf den M400 oder gleich auf den V800 von Polar ausweichen. Für alle anderen ist der Polar A360 eine ausgezeichnete Wahl.

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Überblick der Rezensionen
Bedienung
8
Funktionen
9
Tragekomfort
7
Passform
9
Design
10
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10 Kommentare

  1. Gute Recherche und echt ausführliches Testprotokoll. Aber ist man ja gewohnt vonHarald. Überlegte mir echt vor kurzem ob ich nicht wieder zu Polar umsteigen soll. Das Design ist echt gelungen.

  2. Schöner Test 🙂
    Das Teil besorge ich mir für meine Frau.
    Werde es selber auch ausprobieren.
    Aber als HF Nutzer der ersten Stunde, damals war das höchste der Gefühle Herzfrequenz, Stoppujr, Zwischenzeitspeicher, vielleicht noch die HF Kurve auf dem PC…..
    muss man sich schon umsteĺlen, um alle Features und Möglichkeiten der aktuellen Generation nachvollziehen zu können.

  3. Wie sieht es denn aus ich habe zuvor einen Schrittzähler von einem anderen Hersteller genutzt über mehrere Jahre meine bis heute erzielten Resultate konnte ich in einer CSV Datei exportieren kann ich die irgendwie dann importieren zu Polar? Es wäre nämlich sehr schade, wenn ich bei null mit Polar anfangen müsste, ich eigentlich nicht nochmal ein Produkt von diesem Französischen Hersteller erwerben möchte da die wohl mit Ausnahme von Wein Käse was die Qualität betrifft meinen Ansprüchen nicht gerecht werden.

    • Hallo Sascha, diese Frage können wir Dir leider nicht beantworten. Diesbezüglich müsstest Du Dich direkt an Polar bzw. an die Polar Service-Abteilung wenden. Viel Spaß auch weiterhin beim Training!

      • Besten dank für die schnelle Antwort. Hätte ja sein können während des Produkt Test wäre einem die Option importieren aufgefallen. Werde jetzt warten bis Polar mir auf meine E-Mail antwortet.

  4. Stand vom Withings Pulse zu Polar (Flow) übertragen geht leider nicht. Habe zwei Nachtschichten gemacht und mehrere Jahre aus der CSV Datei in Polar Flow übertragen manuell. Jetzt seit heute verschönert die Polar A 360 mein Handgelenk und ich muss sagen die runden 150 € haben sich gelohnt zu investieren. Die A 360 macht doch mehr daher als die Withings Pulse Ox insbesondere habe ich keine Angst sie zu verlieren am Handgelenk getragen. Und auch der Funktionsumfang ist ein anderer. Habe kurz ja mal mit der Polar M 400 spekuliert aber GPS, ist eigentlich fürs wandern, spinnig oder Futsal spielen nicht so von Bedeutung. Was die Pulsmessung angeht, bin ich sehr zufrieden habe nämlich noch eine Polar Sportuhr aus der Vergangenheit mit T31 Band und die parallel genutzt und kaum Abweichungen erkennen können.

  5. Bin von der A360 nicht so überzeugt. Wenn ich den Schrittzähler aktiviere ist nach ca. einer Stunde der Akku leer.

  6. Hallo
    Bin sehr zufrieden mit meiner A360. Nur kann ich seit dem letzten Update meine Uhrzeit von am/pm nicht mehr zurück auf 24 Stunden stellen. Kann mir da jemand helfen? Habe schon alles versucht aber nichts funktioniert oder gucke ich einfach in den falschen Einstellungen?

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