Im Härtetest: Thule Glide – joggende Pippi Langstrumpf

0
2700
Anzeige

Der schwedische Hersteller Thule hat mit der Übernahme der Marke Chariot den wohl bekanntesten Hersteller für Fahrradanhänger und Joggingbuggys mit in die Thule Group geholt.

 

Nach wie vor heißen die Multisport Geräte Thule Chariot, wobei bei den Eltern mittlerweile meist nur noch “der Thule” im Gespräch ist, so wie in meiner Kindheit schon “die Thule” das Synonym für die Autodachbox war. Getestet wurde der Thule Glide, der Jogging Buggy von Thule. Dieser ist aus der Familie der reinen Joggingbuggys, also nicht auch als Fahrradanhänger verwendbar.

Der Test:

Die Montage ist denkbar einfach und quasi selbsterklärend. Nach wirklich wenigen Handgriffen ist der Glide einsatzbereit. Vom ersten Eindruck her wirkt er hochwertig und sportlich, ziemlich lang und kahl im Vergleich zu so manchem Kinderwagen. Für mein Empfinden aber genau richtig, schließlich will man ja mit ihm aktiv unterwegs sein. Das Modell gibt es nur in einer Farbe: Anthrazit mit etwas blau, also ganz neutral.

Für den ersten Abendspaziergang haben wir unseren Babysohn rein gesetzt und es ließ sich alles sehr einfach auf die richtige Größe einstellen. Mit einem Fünfpunktgurt ist ein sicherer Halt gegeben, öffnen lässt er sich nur über einen Sicherheitsverschluß. Unser großer, selbst sitzender  9 Monate alter Junge (Größe 86) wirkt darin noch ganz schön verloren. Laut Hersteller ist der Buggy in der Kategorie 6-12 Monate bereits zu finden (davor gibt es einen Einsatz für ein Bassinet und einen Adapter für das Maxi Cosi), doch früher hätte ich unseren jungen Mann noch nicht reinsetzen wollen. Ab sicherem selbstständigen Sitz (und damit in der Regel ab 8-10 Monaten) ist aus meiner Sicht eher das geeignete Einstiegsalter für diese Variante. Für Kleinkinder bleibt er sicher noch lange optimal, denn das maximale Gewicht ist mit 34kg angegeben.

 

Der Kindersitz ist sehr bequem, für größere Kinder ist eine Fußstütze dabei. Sehr gut ist die stufenlos verstellbare Rückenlehne bis zur Liegeposition. Genial ist, dass dies mit einer Hand möglich ist und ganz gleichmäßig verstellt werden kann, ohne Geruckel oder vorgegebene Positionen.Im jüngeren Alter ist es nicht optimal, dass das Kind vom Schiebenden weg schaut. Die Rückversicherung und Schutz vor zu vielen Reizen ist für die Kleinen enorm wichtig und beim Tragen mit Gesicht zum Elternteil oder Kinderwagen mit Blick entgegen der Fahrtrichtung wesentlich besser. Der Regen/Sonnenschutz lässt sich immerhin weit nach vorne stellen und dann kann man hinten zum Kind reinschauen. Bei normaler Einstellung ist auch ein kleines “Fenster” drin, so dass man das Kleinkind im Blick hat.

Der Buggy fährt sich vom ersten Gefühl her super. Er ist selbst leicht (9,9kg) und läuft dank der drei großen Räder (16 Zoll vorne, 18 Zoll hinten) wie von selbst, auch bei weiteren Kurven wunderbar mit einer Hand lenkbar. Zum Joggen auf der Straße kann man mit einer Hand laufen und den Buggy auch immer ein Stück vor sich mitrollen lassen, sodass man nicht die ganze Zeit die Hände am Wagen haben muss. Auch auf Feldwegen mit nicht allzu unebenem Untergrund fährt es sich für den kleinen Passagier sehr komfortabel. Da keine Nacken- oder Kopfstütze drin ist, bin ich bei unebenen Stücken allerdings nicht mehr gejoggt. Bei etwas älteren Kindern ist das aber vielleicht kein Problem mehr. Die Komfortzone beim schnelleren Joggen sehe ich aber definitiv auf asphaltierten Wegen.

 

Zusammenklappen und Aufklappen gehen mit einem Handgriff, einfacher könnte es nicht sein. Im Auto braucht man doch etwas Platz, wenn man die Räder dran lassen möchte. Im Passat passt der Buggy leicht mit Rädern rein. Buggy raus, ein Handgriff und schon geht es wieder los. Mit Hundebox im Kofferraum des Passats wurden die Räder abmontiert, dann ist zum einen natürlich das Aufbauen etwas länger – wenn auch einfach – zum anderen hatten wir zweimal das Problem, das die Bremse dann etwas am vorderen Reifen schleift, was man etwas nachjustieren muss. Die V-Bremse am Vorderrad funktioniert super, bei einer Wanderung in den Bergen bei 1200hm wurde sie ausgiebig genutzt. Mit größerem Gewicht im Buggy haben wir nicht getestet.  Bergab ist eine Handschlaufe dran, damit sich der Buggy nicht selbstständig machen kann. An den Hinterrädern parkt eine mit dem Fuß einfach zu bedienende Feststellbremse den Buggy sicher.

Der Schiebebügel lässt sich sehr einfach auf die richtige Höhe stufenlos verstellen, das macht das Laufen für jeden sehr angenehm. Das Material des Griffs ist angenehm. Nun weiter zum sonstigen Material: Es wirkt alles hochwertig, während der Testzeit selbst ist alles wie neu geblieben außer: die Räder! Die Wanderung über 1200hm  hat die Räder (besonders vorne) durch das Bremsen extrem abnutzen lassen, wobei ich den Babysohn über die Hälfte im Tragetuch hatte und damit kaum Gewicht im Wagen war. Ansonsten machte der Buggy am Berg eine sehr gute Figur. Im langsameren Tempo bergauf verzeiht er allerhand Unebenheiten.

Der Buggy ist so leicht und einfach wie möglich gehalten, wobei er auch für den Alltag alles Notwendige hat: Kleine Netztaschen neben dem Kind für Trinken, Spielzeug etc. und hinten eine Netztasche für Geldbeutel etc und einen ganz einfachen aber recht geräumigen Korb für Babytrage, Windeln, Einkäufe, RingSling oder was man sonst so an erweitertem Haushalt mit Kleinkind braucht. Das vordere Rad hat ein kleines Schutzblech, so dass der Inhalt und die Kinderfüße sauber bleiben. Auch im Alltag lässt er sich sehr gut gebrauchen. Im Vergleich zu anderen Buggys ist er eher lang, dafür aber schmaler. Durch die Länge und die großen Reifen muss man für kleinere Wendungen das Vorderrad etwas anheben, was mich aber bei dem geringen Gewicht nie gestört hat. Das funktioniert durch die durchgehende Schiebestange auch einhändig.

Der Wagen lässt sich mit allerhand Zubehör ergänzen, von Regenhülle bis zu Wasserflaschenhalter und Fußsack. Der Preis ist vom Hersteller mit 549€ angegeben. In dieser Preiskategorie ist er nicht nur für joggende Eltern eine Überlegung wert, sondern auch als ein sehr leichter Alltags Biggy bestens geeignet. Besonders bei Kopfsteinpflaster, Feldweg oder Bordsteinkanten punktet der Thule im Vergleich zu den üblichen Buggys durch die großen Räder und die Federung mit voller Punktzahl beim Komfort. Falls die Familie weitere Aktivitäten unternimmt, kann vielleicht auch ein Multisport Modell für Jogging, Fahrrad und Langlauf in Betracht gezogen werden.

Fazit:

Ein Traum für aktive Eltern! Dank der Reifengröße und des schlichten aber durchdachten Designs macht der Buggy wirklich Spaß. Das feste Vorderrad und die Federung ermöglichen auf Asphalt perfekte Bedingungen, dann kommt es auf Gelände, Gewicht und Tempo an, wobei der Thule im Vergleich zu anderen Buggys ein Mountainbike ist…

Text und Bilder: Meike Rankl

Mehr über Thule GmbH


Überblick der Rezensionen
Montage
10
Fahrgefühl
10
Sitzposition
8
Zubehör
9
Handling
9

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

siebzehn − 7 =