Ausfahrt: Canyon Ultimate CF SF Disc 8.0

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Als Rennrad-Einsteiger haben wir das Ultimate CF SF Disc 8.0 von CANYON unter die Lupe genommen und schicken voraus: Es war eine sehr gute Wahl, insbesondere auch wegen der Variante mit den Scheibenbremsen.

Montage oder das Rad aus dem Karton

Zeitangaben sind relativ. CANYON gibt für die Montage eines Bikes eine Zeit von rund circa 15 Minuten an. Das klappt dann, wenn man als versierter Rennradfahrer schon ein paar Erfahrungen mit dem einen und anderen Werkzeug gemacht hat. Oder sich nicht lange mit der Bedienungsanleitung aufhalten möchte oder muss und technisches Verständnis mitbringt.

Wir sind etwas behäbiger zur Sache gegangen und haben übervorsichtig agiert. Vom Öffnen der Kartonage über das Herausheben des Rahmens, des vorderen Rads, Werkzeugs bis hin zur ausgiebigen Betrachtung der Kurzanleitung als auch der umfassenden Bedienungsanleitung. Inklusive der Vorfreude auf das neue Testgefährt waren wir einen Abend beschäftigt, aber um es letzten Endes auf den Punkt zu bringen: Für die alleinige Montage des Rads  haben wir rund 30 Minuten gebraucht und dafür haben wir uns mächtig Zeit gelassen, um ja nichts verkehrt zu machen. Danach hätten wir zur ersten Ausfahrt starten können! Sattelhöhe und Sitzposition hatten wir schnell gefunden, Schaltung und Bremsen funktionierten einwandfrei, wie sich bei der ersten Ausfahrt am folgenden Tag herausstellen sollte. Idiotensicher also – das trifft den Nagel auf den Kopf. Also gilt für alle Einsteiger in den Radsport: Keine Angst vor dem Rad aus dem Karton!

Die Einheit: Mensch und Maschine

Ich konnte die erste Testfahrt mit dem CANYON Ultimate nicht abwarten. So verhinderte strömender Regen etwa nicht die erste Ausfahrt, sondern er spornte an, das Rad gleich einmal widrigen Bedingungen auszusetzen. Trotz miserablen Wetterbedingungen machte sich Euphorie pur auf den ersten Testkilometern breit, einzig das vehemente Quietschen der Scheibenbremsen sorgte für temporäre Verunsicherung. Irgendwo in meinem Hinterkopf schlummerte die Information, das Scheibenbremsen eingefahren werden müssen. Also stürzte ich mich weiterhin ins regennasse Abenteuer und spulte die ersten 60 Kilometer ab. Spontan fühlte ich mich äußerst wohl und schnell festigte sich der Eindruck, eines schnellen und wendigen Rades unter meinem Hintern zu haben. Für die erste Ausfahrt war es mir fast ein wenig zu schnell, denn gleich mit 40 Sachen auf nassem Asphalt den Berg hinunterzusausen, war ehrlich gesagt mehr als ich mir zugetraut hätte.

 

Zudem ich die Bremskapazitäten nicht gleich zu Beginn voll ausspielen wollte und mich an das Rad und die Belastung gewöhnen wollte. Keinerlei Verunsicherung offenbarte mir die Schaltung. Perfekt spulte sie das komplette Repertoire herunter, kein Haken, keine Ösen! Das wiederum verwunderte mich zutiefst, weil ich es bei einem Rad aus einem Karton nicht erwartet hätte. Bezüglich der Scheibenbremsen wollte ich die letzte Spur der Verunsicherung aus dem Weg räumen. Ein kurzer Hilferuf an die CANYON Hotline bestätigte meine dunkle Erinnerungskraft im Hinterkopf: Scheibenbremsen müssen behutsam eingefahren werden, das Quietschen für den Anfang sei ganz normal und das würde sich nach rund 300 gefahrenen Kilometern amortisieren. Kein Grund zur Besorgnis also! Das Baby lief!

1000 Kilometer- Zwischenbilanz

Mit einem Rad ist es vielleicht wie in einer Freundschaft oder einer Liebesbeziehungen. Man lernt es mit jedem gefahrenen Kilometer besser kennen und wenn sich die erste Euphorie gesetzt hat, kommen die Macken und Schwächen zum Vorschein. Um es wieder einmal vorweg zu nehmen: Selbst nach mittlerweile abgespulten 3.000 Kilometern bei stürmischem Wind und Sonnenschein, bei Regen und Trockenheit, bei Temperaturen jenseits der 10 Grad oder diesseits der 30 Grad, das Ultimate ist nach wie vor ein äußerst treuer Wegbegleiter und weist keine Probleme auf.

Doch es gibt Optimierungsbedarf. Insbesondere bezüglich der Sitzposition habe ich versierte Hilfe in Anspruch genommen und würde diesbezüglich jedem Canyon-Interessierten raten, die vom Hersteller angebotene Dienstleistung auch in vollen Zügen vor dem Kauf in Anspruch zu nehmen oder sich eben eine entsprechende Anlaufstelle zu suchen. Wir haben jedenfalls gefeilt: An der Sitzhöhe und an der Position des Lenkers, bis die optimale Einstellung gefunden war. Es benötigt also ein bisschen Zeit, bis zusammen wächst, was zusammen gehört und eine professionelle Beratung kann einer solchen Beziehung nur förderlich sein.

Eine sportliche Beziehung

Das Ultimate ist ein sportliches Rennrad, mit Sicherheit auch bestens für Einsteiger geeignet. Das bringt die Konstruktion des Rades mit sich. Rennradfahrer, die ein komfortables Rad bevorzugen wären wahrscheinlich mit der Endurace-Serie von Canyon besser bedient. Es ist weniger ein Rad, mit dem man gemütlich ein paar Kilometer abspult, und dann wieder nach Hause rollt. Das Ultimate mag schnelle Beine, es ist wendig und äußerst agil und bei stürmischen Wetter, muss man selbst konzentriert für Kontrolle sorgen. Man kann mit dem Rad Kilometer machen, viele Kilometer! Es eignet sich sowohl für Rennen, als auch für Triathlon-Einsätze, es ist eben ein Renner mit einer Top-Ausstattung für einen guten Preis. Okay, das kennt man von Canyon. Aber es weiß eben auch in der Praxis zu überzeugen und nicht nur bei einer Testfahrt über die Feierabendrunde. Die Trennung fällt also schwer.

Definitiv ein Qualitätsprodukt!

Scheibenbremsen Schaltung & Co

Es gibt nichts zu meckern, eher im Gegenteil. Die Shimano 105er Ausstattung arbeitet furios und ohne klemmen oder Probleme. 1A also! 1A auch die Scheibenbremsen, weil sie eben beherzt zupacken und vor allem bei nassen Bedingungen mehr Zug und damit auch mehr Sicherheit bieten. Es gab während unserer Testphase mehr als eine oder zwei brenzliche Situationen, in denen wir auf das hier verbaute Bremssystem zu 100 Prozent vertrauten und danke sagen durften. Frei laufende Hunde waren definitiv die Minderheit. Auch fliehendes Wild wie Rehe oder Hasen haben die Bremsen gefordert, aber eben nicht so sehr wie die motorisierten Verkehrsteilnehmer und damit sind durchaus auch rücksichtslose Motorradfahrer gemeint. Ich war als Einsteiger auf jeden Fall glücklich, größtmögliche Sicherheit geboten haben zu bekommen.

 

Zu guter Letzt

Einen Haken hat die Geschichte mit dem Rad aus dem Karton. Mittlerweile sind fast 3.000 Kilometer abgespult und das liebgewonnene Gefährt hätte einen Service nötig. Bevor ich es wieder in der Kartonage verpacke, frage ich doch mal bei meiner Fahrradwerkstatt um die Ecke nach. Doch keine Chance, für ein Canyon hat dieser keine Zeit. Unsere Gegend ist nicht gerade arm an Fachgeschäften, also auf zur nächsten Servicemöglichkeit. Auch da heißt es: Da lassen wir besser die Finger davon. Also bleibt kein anderer Weg als der zurück in den Karton, um den Canyon-eigenen Service zu bemühen. Wer diesen Aufwand und die Montage sowie die Zeit in Kauf nehmen möchte, ist grundsätzlich bei Canyon an einer guten Adresse.

Fazit:

Das Ultimate verdient sich in allen Bereichen Bestnoten, auch weil das Preis-Leistungsangebot sensationell ist. Gerade für Einsteiger in den Rennradsport sind Scheibenbremsen ein riesiger Vorteil, weil sie eben in jeder Situation für ein zusätzliches Quentchen an Sicherheit sorgen. Und auch gestandene Rennradsportler sollten sich von dem Gedanken lösen, dass Scheibenbremsen ausschließlich eine Option für Weicheier sind. Sie bieten auch für versiertere Fahrer ein noch sichereres Fahrgefühl und das sollte gerade heutzutage jeden Cent wert sein und nicht etwa an einem falsch verstandenen Ehrgefühl kratzen.

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