VulCanicross – brodelnd wie heiße Lava

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Gänsehaut beim VulCanicross, auch als Zuschauerin ist man mittendrin, im Geschehen.

Ein Tanz auf dem Vulkan. Die Hunde heulen, die Luft brennt. Es würde einen nicht wundern, wenn plötzlich ein Vulkan ausbrechen würde, so explosiv ist die Stimmung am Hoherodskopf an diesen zwei Tagen auf 700 Metern über dem Meer. Gänsehaut macht sich breit und die Luft knistert. Stimmung in Worte zu fassen ist immer schwierig. Emotionen zu beschreiben ebenso. Aber von beidem lebt der VulCanicross. Man muss das einmal live erleben, um wirklich mitreden zu können.

Erwartungsvolle Blicke von Mensch und Hund, Konzentration auf sich selbst und den vierbeinigen Begleiter, das Drumherum ausblenden um als Duo doch ganz für sich selbst unterwegs zu sein, das ist Canicross. Dabei ist es egal ob man per Scooter, Bike oder Pedes unterwegs ist, es ist reine Teamarbeit. Und diese Teams sind so unterschiedlich wie das Universum die Erdbewohner eben gemacht hat. Gestählte Körper, aber auch die Menschen mit dem einen oder anderen Gramm Gemütlichkeit auf den Rippen. Alt, jung, groß, klein, ambitioniert oder dort, um einfach nur dabei zu sein. Die Mischung macht es.

Gute Mischungen sind auch bei den Vierbeinern zu sehen. Reinrassige “Rennmaschinen”, aber auch Mischlinge aus dem Tierschutz, eine taube Hündin läuft mit Herrchen auch ganz weit vorne mit. Oder auch kleine wuschelige, deren Haare im Takt mit Frauchen im Wind wehen, kurzbeinige Schlappohren, beleibtere Großkaliber, es gibt nichts, was es nicht gibt. Canicross ist eben kein Sport für die Schnellen und Schönen – sicher sind die auch dabei – aber hier geht es um die Freude am gemeinsamen Erlebnis. Und damit bleiben die meisten Teams auch nicht unter sich, sondern es wirkt alles sehr familiär. Hier kennt wohl fast jeder jeden. Zentrum des Geschehens beim VulCanicross ist die Jugendherberge mit einem tollen Team, das sicher Teil des Erfolges dieser Veranstaltung ist. Leckere Kuchen, Kaffee, ein großer Schwenkgrill tut seine Dienste, fast wie bei einem Familientreffen.

Das besondere beim VulCanicross ist am zweiten Tag der Jagdstart, wie man ihn vom Biathlon kennt. Unheimlich spannend für Zuschauer und Teilnehmer. Faszinierend sind die Tempi die von den Erstplatzierten erreicht werden, denn sie fliegen quasi in’s Ziel. Das erfordert nicht nur hartes und gutes Training für Mensch und Hund, sondern auch eine absolute Vertrauensbasis. Aber fast noch beeindruckender sind die unzähligen Momente zwischen Hund und Mensch – ein Blick, eine Handbewegung, ein Wort, eine Berührung. Jeder Hundebesitzer kennt diese innigen Momente zwischen Zwei-und Vierbeiner, doch beim Canicross sind diese so innig, dass es einem als Betrachter teilweise fast ein Tränchen der Rührung in die Augen treibt.

Selten sieht man so viele glückliche und wirklich ausgelastete Hunde und ebensolche Menschen in einer so großen Anzahl. Natur erleben im Duo, darum geht es den meisten. Und vor allem auch ganzen Familien, denn hier sind auch schon die Kleinsten am Start. Einzig einige Ausnahmen, die mehrere Hunde, fast schon wie Rennmaschinen, mitbringen und wo die Emotion und Bindung zwischen dem Duo etwas hinkt und es fast wie eine Zweckgemeinschaft wirkt, lassen Stirnrunzeln zu. Und vor dem Start beobachtet man so manchen überambitionierten Hundehalter, der seinen Vierbeiner beispielsweise mit Zerrspielen so aufheizt, dass Hund fast die Zähne irgendwo in Herrchens bzw. Frauchens Fleisch versenkt – was dieser dann sogar verdient hätte. Aber die schwarzen Schafe gibt es in jedem Sport. Deshalb ist es gut, dass das Reglement beim Canicross streng ist, denn der Vierbeiner will vor zu viel Ehrgeiz seines Besitzers geschützt werden. Grobheiten gegenüber des Tieres sind rigoros verboten. Aggressives Verhalten der Hunde untereinander ist nur höchst selten zu beobachten, weil die Tiere ausgelastet sind und fokussiert. Sie nutzen ihre Energie nicht für sinnlose Pöbeleien, sondern für ihr Rennen.

Der VulcaniCross ist nicht nur perfekt organisiert, sondern einzigartig, stimmungsvoll und egal als ob aktiver oder passiver Teilnehmer ein emotionales Feuerwerk.

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8 Kommentare

  1. Hallo Frau Liebing,

    Es freut mich, dass Ihnen die Sportart so gefällt.
    An sich ist Ihr Beitrag auch gut geschrieben. Jedoch wäre es bei dem Abschnitt mit den “schwarzen Schafen” und den “Zerrspielen” sinnvoll und journalistisch notwendig gewesen etwas hinter die Kulissen zu schauen oder mit den Betroffenen zu sprechen.
    Ja – ich fühle mich angesprochen und leider auch angegriffen.
    Wie sie schon schreiben, kennt jeder seinen Hund selbst am besten. Und durch ordentliche Recherche hätten sie bereits vor Ihrem Artikel von mir erfahren können, dass ich mit Ball zum start gehe, um den sehr stark ausgeprägten Arbeitswillen meines Hundes vor dem Start zumindest etwas unter Kontrolle bringen zu können.

    Ich freue mich trotzdem auf jeden Start mit meiner übertriebenen Hündin und würde mich freuen, wenn Leute denen das Verhalten vor dem Start nicht gefällt zuerst mit mir sprechen würden, bevor ich öffentlich verurteilt werde.

    • Hallo Herr Frech,
      es freut mich, dass Ihnen der Bericht grundsätzlich gefällt! Was für mich nicht nachvollziehbar ist, dass Sie sich selbst in dem betreffenden Abschnitt angesprochen fühlen, da in dem Beitrag niemand persönlich genannt ist und auch die Fotos nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit diesem Abschnitt stehen, sondern viel eher insgesamt einen grundsätzlichen Eindruck von der Veranstaltung widerspiegeln wollen. Mir liegt es nun wirklich fern, jemanden direkt und persönlich anzugreifen und wenn Sie in Ihrem Umgang mit Ihrem Hund ein reines Gewissen haben, um so besser für den kompletten Sport. Wenn ich den Bericht noch einmal Revue passieren lasse, werden Sie persönlich mit keinem Wort als das “schwarze Schaf” betitelt. Insofern ist Ihre Reaktion für mich nicht nachvollziehbar. Des weiteren bitte ich Sie um Verständnis. dass ich im Rahmen meines Besuches nicht in der Lage bin, mit jedem Teilnehmer persönlich zu sprechen, und das ist also in Ihrem Fall ohnehin obsolet, wie ich bereits ausgeführt habe. Und gestatten Sie mir noch eine Anmerkung: “Übertriebene” Hunde gibt es nicht, die meisten Verhaltensweisen eines Hundes obliegen dem Ergebnis des Umgangs des Menschen mit dem Vierbeiner. Auch bezweifele ich stark, dass Sie für alle Teilnehmer sprechen können und meine Recherchen auf diesem Gebiet sowie meine Kompetenz, haben nicht nur mir, sondern auch anderen Teilnehmern gezeigt, dass es auch in diesem Sport durchaus schwarze Schafe gibt. Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Sie persönlich ganz selbstverständlich ausgenommen!

      • Hallo Frau Liebing,

        Es freut mich, dass Sie nicht mich mit “schwarzes Schaf” meinen. Jedoch bin ich mir nicht sicher, ob Sie wissen wer der vielen Starter ich bin.
        Angesprochen fühle ich mich, da Sie schreiben: “…vor dem Start beobachtet man so manchen überambitionierten Hundehalter, der seinen Vierbeiner beispielsweise mit Zerrspielen so aufheizt, dass Hund fast die Zähne irgendwo in Herrchens bzw. Frauchens Fleisch versenkt…”. Die meisten Starts habe ich gesehen, jedoch habe ich nur 2 andere Starter und mich mit “Zerrspielzeug” gesehen. Leider hatte ich mich verschrieben. Meine Hündin ist natürlich nicht übertrieben, sondern ist zu stark triebig im Startbereich. Durch ihr extrem triebiges Verhalten sieht sie am Start für Aussenstehende leider etwas aggressiv aus.
        Wenn Sie nicht das Team aus mir und meiner Hündin gemeint haben, würde mich direkt interessieren, welche “schwarzen Schafe” Sie in Ihrem Artikel meinen.
        Wie gesagt, ich weiß nicht wen Sie so abstrakt anprangern, finde Ihren Artikel aber außer diesem Abschnitt nach wie vor schön geschrieben.

      • Nochmal hallo Frau Liebing,

        Außer dass sie mehrmals geschrieben haben, sie hätten mich nicht persönlich angegriffen oder als schwarzes Schaf bezeichnet, fehlt Ihrer Antwort der Inhalt auf wen sie diesen angreifenden, eleidigenden Absatz sonst beziehen.
        Wie gesagt waren außer mir nur sehr wenige Starter mit Spielzeug am Start. Von diesen nutzt keiner das Spielzeug um den Hund aufzuheizen – vielmehr ist das Gegenteil der Fall!

        Wen meinen Sie konkret mit “schwarze Schafe” und woher nehmen Sie Ihre sicherlich journalistisch fundierte Information, dass diese Starter ihre Hunde mit dem Zerrspiel aufheizen?

        Gerne können Sie mich dazu auch direkt kontaktieren.

        • Nochmals hallo Herr Frech,
          entschuldigen Sie bitte meine späte Antwort auf Ihr nochmaliges Nachhaken, aber Sie bringen ganz sicher Verständnis dafür auf, dass wir unsere Zeit neben der Beantwortung von Kommentaren für andere Beiträge verwenden. Ich werde weder öffentlich noch in einer persönlichen Nachricht an Sie Namen nennen und insofern werden Sie auf diese Frage keine Antwort von mir erhalten. Ich werde diesen Beitrag auch nicht weiter mit Ihnen diskutieren, weise allerdings gerne darauf hin, dass ich auf über 20 Jahre Erfahrung in der Mensch-Hund und Hund-Hund-Beziehung zurück blicke. Neben dem Besuch von diversen Seminaren bei Günther Bloch, Dorit Feddersen-Petersen, Stefan Kirchhoff und der Hundeakademie und dem damit verbundenen Studium von Fachliteratur, der jahrelangen Begleitung von zertifizierten und zum Teil aus den Medien bekannten Hundetrainerinnen und Trainern, durch meine tägliche Arbeit mit durch den Menschen verhaltensauffällig geprägten Hunden und durch jahrelange Betreuung von Notfellen sowie zahlreichen Besuchen bei Veranstaltungen, in denen Menschen mit ihren Hunden sich sportlich betätigen, traue ich mir die Beurteilung von Hundesprache durchaus zu. Es steht Ihnen selbstverständlich frei, Zweifel an derselbigen zu hegen. Wie angekündigt, ist mit diesem Kommentar die Diskussion von meiner Seite hiermit beendet.

  2. Teilweise wirklich ein toller Bericht – aber mich wundert es doch, dass man von einmal zuschauen “überambitionierte” Sportler erkennen soll anhand von einigen Sekunden vor dem Start. Dass es gerade bei einem so großen Starterfeld doch aufregend wird und jeder Hund mit der Aufregung, Nervosität und der Situation mit den anderen bellenden Hunden anders umgeht ist doch verständlich bei dem ganzen Trubel. Aber diese dann gleiche als schwarze Schafe zu betiteln ist nicht sehr professionell. Aber vielleicht kamen die Informationen von “Insidern” – wer weiß…

    • Hallo Frau Heine,
      Sie dürfen mir durchaus glauben, dass meine geschilderten Eindrücke nicht aus der Beobachtung von wenigen Sekunden vor dem Start rühren und es geht ganz selbstverständlich nicht um die Anspannung und Nervosität der Vierbeiner vor dem Start an sich. Sie haben sogar ganz recht: Jedes Tier reagiert in jeder Situation anders und gerade das ist ja auch das Schöne an Vierbeinern. Es liegt einzig und allein in dem Umgang des Menschen mit seinem Hund, mit dieser Situation umzugehen und auch hier sind zweifelsohne die Methoden unterschiedlicher Art. Wenn Sie persönlich schwarze Schafe in diesem Sport und explizit bei dieser Veranstaltung ausschließen können, dann akzeptiereich natürlich herzlich gerne Ihre Meinung. Unprofessionalität in meiner Recherche und Zweifel an meiner Kompetenz lasse ich mir allerdings nicht unterstellen, und wir wissen bei unserer Arbeit sehr genau um unsere “Insider” und ihre Vertrauenswürdigkeit.

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