Twistesee Adventsmarathon 2018 – von Lebkuchen und Sonnenschein

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Foto: Gritt Liebing

Wer bei einem Adventsmarathon startet, der erwartet auch die entsprechende Stimmung. Das Team rund um Familie Wierschula schafft es nicht nur wirklich jedem Weihnachtsmuffel ein wenig vom Zauber der Vorweihnachtszeit zu vermitteln, sondern die Veranstaltung glänzt und strahlt mit perfekter Organisation, toller Streckenführung, Verpflegungsstellen, die ihresgleichen suchen und mit Herzblut. 

Für mich ist es der zweite Start beim Twistesee Adventsmarathon und ganz sicher nicht der Letzte. Ich gehöre zu den Läufern, die gerne allein unterwegs sind, ihr eigenes Ding machen. Vor allem, wenn es sich um einen familiären Landschaftslauf handelt wie in Bad Arolsen am Samstag vor dem ersten Advent. Es sind nicht so viele Läufer auf der Strecke, das bietet Luft zum Atmen, gedanklich auf das Jahr zurückzublicken und um dann in die besinnliche Adventszeit zu starten. Ein Novum für mich, einen kompletten Marathon in Gesellschaft zu laufen. Und was lerne ich daraus? Alles Neue hat auch etwas Gutes! Ingemar kenne ich von einigen Laufabenteuern und er war noch auf der Suche nach einem schönen Läufchen – da kam mir doch der Twistesee Adventsmarathon in den Sinn. Dass wir dann gemeinsam laufen würden, hatte ich nicht auf dem Schirm, denn Ingemar ist eine Bergab-Rakete und auch sonst lauftechnisch nicht meine Kragenweite. Aber Ingemar wollte mich partout begleiten und so sollte das Unternehmen “Marathon” im Duo also in Bad Aroslen für mich stattfinden. Um es vorweg zu nehmen: Es wurden sehr unterhaltsame und für mich auch flotte 42 Kilometer.

Schon das Abholen der Startnummer bereitet beim Twistesee Adventsmarathon Freude, denn als kleines Präsent erhält jeder Teilnehmer einen Adventskalender – selbstverständlich mit Kraftfutter in Form von Schokolade gefüllt. Es geht gemütlich zu in der Twistesee-Halle, es duftet nach Kaffee und die Wettkampfbesprechung findet quasi nebenbei statt. Neu in diesem Jahr ist die Zeitmessung mittels Transponder, was für Netto- und damit also Echtzeiten sorgt. Für mich nicht wichtig, für den Veranstalter eine Erleichterung und für den einen oder anderen Wiederholungstäter sorgte das allerdings auch für Verwirrung. Nun gut, nächstes Jahr wissen es dann alle und die Zahlenakrobaten und Statistiker, denen es auf Sekunden ankommt, die freuen sich. 

Foto: Ingemar Müller

Die Sonne schickte die rund 200 Starter auf die Strecke, zunächst entlang des Ufers am Twistesee, dann über Wald- und Feldwege, durch bemooste Nadelwälder, durch Schlamm und Laub, über Schotter und auch ein klein wenig auf Asphalt, mit wunderschönen Fernblicken und machmal auch mit einem kräftigen Windhauch, der um die Nase wehte. Bergauf, bergab, links, rechts, selten geradeaus. Nicht spektakulär, aber einfach schön. Langeweile kommt nicht auf, das ist mal sicher. In meinem Fall schon gar nicht, denn ich bin ja im Doppelpack unterwegs. Lustige Gesellen sind unterwegs, nicht nur mit Nikolausmützen auf dem Kopf, sondern auch mit Glitzertannenbäumchen und roten Kugeln, die um’s Gesicht baumeln. Diese waren dann wohl doch nicht alle für einen kompletten Marathon gemacht und so finden wir eine verlorene Kugel auf der Strecke und Ingemar packt sie in den Rucksack. Leider haben wir den Läufer später nicht mehr gesehen, um ihm die Kugel zurückzugeben und so wird sie wohl Ingemar’s Bude schmücken.

Wie sagt eine Mitläuferin, die wir immer wieder einholen um sie dann doch wieder ziehen zu lassen: „Du bist ein Multifunktionstalent, so etwas braucht man!“ Damit meint sie nicht mich, sondern Ingemar, der nimmermüde mit Seitenblick auf die Uhr die Schritte vergrößert und Tempo aufnimmt. Tempo mache ich an den Verpflegungsstellen, denn dank Rucksack, der sich wohlgemerkt auf dem Rücken meines Begleiters befindet, habe ich meine eigenen Gels dabei. Viel anderes vertrage ich während dem Laufen leider nicht.

Foto: Ingemar Müller

Sehr schade, denn was ich an den Verpflegungsstellen sehe, kitzelt meinen Gaumen: Kräcker, Schokoriegel, Obst, Lebkuchen, warmer Tee, Cola und Wasser – an dem auch ich mich bediene. „Ich bin rundum happy“, so Ingmar’s Aussage nach der Verpflegungsstelle bei Kilometer 16 während er einen rosa Lebkuchenmond verdrückt. Und glücklich ist auch das Gefühl, was sich bei mir nach dem Zieleinlauf einbrennt. Meine Vorgabe war „unter 5 Stunden“, das hat dann auch geklappt, allerdings doch deutlich darunter und sogar 5 Minuten schneller als bei meiner Premierenteilnahme. Marathon-Duo ist vielleicht doch gar keine schlechte Idee, denn eines ist sicher, alleine wäre ich langsamer gewesen und ich hätte viel weniger Spaß gehabt! 

Mit dem tätowierten Lächeln im Gesicht und der Medaille um den Hals geht es dann in’s Arobella-Bad, wo sehr komfortabel und heiß umsonst geduscht werden darf. Wer es sportlicher nimmt, der kann auch direkt in der Twistesee-Halle duschen, allerdings nach dem Motto: Nichts für Warmduscher!

Foto: Ingemar Müller

Frisch geputzt geht es nun an das reichlich gedeckte Buffet, was dieses Jahr in der Startgebühr enthalten ist. Das halte ich für eine gute Idee und im Gespräch mit dem Veranstalter, erfahre ich, dass dies für die freiwilligen Helfer eine große Arbeitserleichterung ist. Kein Kassieren, die Kaffeemaschine steht zur Selbstbedienung da, genauso wie Bio-Buttermilchdrinks. Kartoffelsuppe mit oder ohne Würstchen, Brezeln und Kuchen werden angereicht. Mir hat’s geschmeckt und ich bin mehr als satt geworden. Während wir die Energiespeicher füllen, findet die Siegerehrung statt – wie gewohnt mit Schokonikoläusen und Freistartplätzen als Prämien. Auch wenn man wie wir nicht in den Genuss eines Preises kommt, so liegt doch jetzt schon der Gedanke nahe, dass der Twistesee Adventsmarathon nächstes Jahr wieder auf dem Programm stehen soll – zumindest bei mir. Und wenn sich dann doch einer zu mir gesellen möchte, jetzt weiß ich ja wie es geht. 

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