Von grenzenloser Freude konnte im Vorfeld unseres Staffel-Starts beim IRONMAN 70.3 Luxembourg so gar nicht die Rede sein, dafür hat die Veranstaltung im Sturm unsere Herzen erobert.

Das Leben kennt keine Pläne
Es sollte eine Wiederholung unserer bewährten Familienstaffel werden, mit der wir schon im vergangenen Jahr beim IRONMAN 70.3 Kraichgau am Start waren: Gritt als Schwimmerin, ich selbst wollte die Radstrecke in Angriff nehmen und Gritts 85-jähriger Vater sollte als Läufer dieses Mal das Grande Finale im Luxemburgischen Remich erleben. Die Vorbereitungen liefen seit Monaten, das Lauftraining unseres ältesten Staffelteilnehmers, mein kombiniertes Lauf- und Radtraining, Gritts verstärktes Schwimmtraining nach ihrem Einzelstart beim IRONMAN 70.3 Kraichgau sowie die Logistik.

Gemischte Gefühle beim Himmelsspiel bei der Ankunft / Bild: Gritt Liebing

Wir hatten extra zwei Ferienwohnungen an der Saarschleife gemietet, um das Event herum auch noch Familienurlaub eingeplant. Doch wie so oft schrieb das Leben mal wieder seine eigene Geschichte und warf unsere Pläne eine Woche vor dem Startschuss über den Haufen. Ein Krankheitsfall in der Familie verhinderte den Start von Gritts Vater. Auf drängenden Wunsch sollten trotzdem Gritt und ich als Zweier-Staffel an den Start gehen. Mit gemischten Gefühlen und der Unsicherheit, ob wir überhaupt noch ummelden könnten, machten wir uns schließlich auf den Weg Richtung Luxemburg.

Mentale Anlaufschwierigkeiten
Wir erreichten unser Domizil in der unmittelbaren Nähe zur Saarschleife am späten Donnerstagnachmittag. Bereits mit dem ersten Atemzug fühlten wir uns fast wie Zuhause. Bevor wir uns am Freitag auf den Weg nach Remich machten, stand bei mir noch eine kleine Radausfahrt auf dem Plan. An diesem Morgen lief nichts zusammen. Das anspruchsvolle Profil machte mir zu schaffen, die Abfahrten zum Teil steil und unübersichtlich trieben mir Schweißperlen und die Befürchtung auf die Stirn, dass das Rennen eine Nummer zu groß sein würden. Mit dem Eintauchen in die IRONMAN – Atmosphäre in Remich stellte sich bei uns so langsam die Vorfreude und die Spannung ein.

Trotz abgelaufener Frist hat die Ummeldung noch geklappt / Bild: Harald Bajohr

Die Mosel zeigte sich an diesem Morgen trotz blauem Himmels und Sonnenschein wild. Keine guten Vorzeichen für Gritt, über die noch immer das Damoklesschwert eines misslungenen Auftakts ihres Starts beim IRONMAN Maastricht in der Maas schwebte. Doch alle Zweifel und Anspannungen sollten bald beruhigt werden. Zuerst die Abholung der Startunterlagen. Noch stand die bange Frage im Raum, ob ein Ummelden möglich sein sollte. Auch diese Zweifel wurden schnell beseitigt. Ein kurzer Abstecher zum Trouble Desk und schon stand unserer Zweier-Staffel nichts mehr im Weg. 

International und doch familiär 
Der IRONMAN 70.3 Luxembourg besticht trotz seiner 2.500 Starter mit seiner familiären, freundlichen und internationalen Atmosphäre. Beim Schlendern über die Expo sind neben den vielen Hobbyathleten auch Profis präsent. Bei unserem Expo-Bummel treffen wir auf Horst Reichel, der uns bezüglich des Schwimmens in der Mosel und der Radstrecke noch  ein paar gute Tipps mit auf den Weg gibt und damit viele unserer Befürchtungen nimmt.

Bild: Harald Bajohr

Später treffen wir an der Mosel die spätere Siegerin in der Profi-Damenkonkurrenz Imogen Simmonds, die wie Gritt von Jürgen Zäck trainiert wird. Manchmal sorgt das Schicksal für eindrucksvolle Begegnungen. Bescheiden und mit jeder Menge Humor ausgestattet, da können sich so einige Athleten eine Scheibe von Abschneiden. Für ein gemeinsames Foto ist natürlich auch noch Zeit, dann trennen sich die Wege bis zum Wettkampftag wieder.

Gritt mit Imogen Simmonds / Bild: Harald Bajohr

Iron Girl Run – erste Wettkampfluft schnuppern
Am Freitagabend startet Gritt beim Iron Girl Run. Ganz wunderbar, dass sich die Damen hier vor dem Zieleinlauf zum Start auf die 6,5 Kilometer lange Strecke versammeln dürfen. In zwei Runden geht es zunächst durch die Remicher Altstadt, später führt die Strecke vorbei an Weinbergen, um die Ladies am Zielkanal vorbei auf die zweite Runde zu schicken. Der pünktlich zum Startschuss einsetzende Regen trübt die Stimmung keineswegs.

Hier steht der Spaß, die Bewegung und das gemeinsame Erlebnis an erster Stelle. Ein tolles Side-Event mit dem alten IRONMAN-Spirit, der heute Abend so deutlich spürbar ist. Belohnt werden die Damen mit einer sehr schönen Medaille und einem Gläschen Crémant – so wie es sich für die Region gehört. Ein gelungener Abschluss eines spannenden Tages.

Am Abend stößt mit Ingemar noch ein guter Freund zu uns, der die zweite gebuchte und leer stehende Ferienwohnung bezieht. Aufgrund einer Erkältung fiel für ihn der Zugspitz Ultratrail ins Wasser, stattdessen Support unserer IRONMAN-Staffel. 

Letzter Check / Bild: Gritt Liebing

Ein Auftakt nach Maß
Wir brechen am Wettkampftag frühzeitig Richtung Remich auf. Obwohl wir mit Ingemar unseren persönlichen Chauffeur haben, möchten wir kein Risiko eingehen und rechtzeitig vor Ort sein. Doch statt befürchtetem Stau, freie Fahrt bis zu unserem auserkorenen Parkplatz. Für die Athleten sind Shuttle Services von Deutschland, Luxemburg und Frankreich eingerichtet, die reibungslos funktionieren. Andere nehmen den kleinen Fußmarsch zum Eventgelände auf sich. Ein letzter Check in der Wechselzone am Rad. Die Luft steht vor Energie und Anspannung. Gritt lässt sich mit dem Anziehen des Neoprenanzugs Zeit bis schließlich mit Getöse die Profi-Athleten auf die Strecke geschickt werden.

Eine(r) für alle / Bild: Ingemar Müller

Die Staffelteilnehmer gehen rund 40 Minuten nach den Profis und hinter den Altersklassenathleten in die Mosel. Ich versuche noch einen Blick auf Gritt zu erhaschen, was mir im Gewusel der vielen Zuschauer und Fans nicht gelingt. Das perfekte Wetter tut sein Übriges für ein ganz besonderes IRONMAN-Erlebnis. Unter lautem Beifall erreichen die ersten Profis die Wechselzone. Zeit für mich, mich auf meinen Part vorzubereiten. Ich will auf jeden Fall rechtzeitig für den Wechsel vorbereitet sein, wenn Gritt nach den 1.9 Kilometern aus der wohltemperierten Mosel steigt.  Nach etwas über 45 Minuten entdecke ich Gritt, die angerannt kommt und mir den Zeitmesschip noch am Fußgelenk befestigt. Ich renne zum Rad und bewege mich aus der Wechselzone.

Die Mosel zeigte sich gnädig / Bild: Ingemar Müller

90 Kilometer Genuss pur
Um es vorweg zu nehmen: Die Radstrecke ist schlichtweg ein Traum. Auf den ersten fast flachen 35 Kilometer entlang der Mosel halte ich mich zurück. Ich könnte schneller fahren, aber die Ungewissheit auf die bevorstehenden Höhenmeter bremsen mich. Bloß keine wichtigen Körner am Anfang vergeuden. Dann folgt der erste Anstieg durch die Weinberge. Kann man zunächst die Aussicht entlang der Mosel genießen, folgen nun traumhafte Kilometer durch Frankreich. Ich überhole die ersten Altersklassenathleten bergauf und damit tanke ich Selbstsicherheit. Die Strecke führt über perfekte Straßen und Wege durch sehenswerte Landschaften und Dörfer. Ich genieße jeden Kilometer und erfreue mich an den Aussichten. Natürlich darf hier auch ein Abstecher nach Schengen nicht fehlen. Auf den letzten 15 wiederum flachen Kilometern hole ich noch einmal alles aus mir heraus. Entlang der Laufstrecke fliegen mir die Teilnehmer entgegen und endlich erreiche ich am Ende meiner Kräfte die Wechselzone. Die Beine schwer wie Blei haste ich meinem Radplatz entgegen, laufe so gut es geht Gritt entgegen, die jetzt noch einmal alles auf den verbleibenden 21,1 Kilometern geben wird. IRONMAN-Spirit bedeutet auch, das Beste aus sich heraus zu holen.

Mentaler Höhenflug
Nachdem Gritt sich auf die Strecke begibt, ziehe ich mir schnell trockene Sachen an, verlasse die Wechselzone und laufe Ingemar in die Arme, der uns auf Schritt und Tritt unterstützt. Bei Kilometer 6 auf der Laufstrecke feuern wir gemeinsam Gritt an, die sich ihren Weg entlang des Rundkurses bei Sonnenschein und Hitze bahnt.

Dann gönnen Ingemar und ich uns eine verdiente Currywurst mit Pommes und eine eiskalte Cola, um anschließend wieder Gritt auf der Laufstrecke anzufeuern. Beharrlich läuft sie Kilometer um Kilometer um einen 6er Schnitt und viele unserer Gedanken drehen sich um diejenigen, die heute so gerne dabei gewesen wären. Mit fortschreitenden Kilometern wird der Schritt etwas schwerer, neben dem Schwimmen hat auch der IRONMAN 70.3 Kraichgau, der erst zwei Wochen her ist, seine Spuren in Gritts Körper hinterlassen. Doch mental ist sie auf einem Höhenflug, absolut fokussiert läuft sie ihren Stiefel. Übersieht dabei sogar ihren Trainer Jürgen Zack, der noch an der Strecke steht und sie lauthals anfeuert. Schließlich ist es fast geschafft. Die letzten 200 Meter laufen wir gemeinsam ins Ziel. Ein wunderbares Gefühl, denn am Ende sind wir gemeinsam stark.

Die Medaille haben wir uns redlich verdient / Bild: Ingemar Müller

Drei Länder, ein Ziel
Der IRONMAN 70.3 Luxembourg ist ein sportliches Zeichen für Völkerverständigung, ein Triathlon, bei dem Grenzen keine Rolle spielen. Sprachliche Barrieren werden von Empathie und Freundlichkeit überwunden, der Sport kennt an diesem Wochenende nur eine Sprache.

Perfektes Catering im Athlete´s Garden / Bild: Harald Bajohr

Geschwommen wird in der Mosel, also in Deutschland, gelaufen in Luxemburg und ein Großteil der Radstrecke führt durch Frankreich, der IRONMAN 70.3 Luxembourg ist ein wichtiges Event für Sportlichkeit und Völkerverständigung, der von einem echten Triathlon-Spirit über alle Grenzen getragen wird.

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