Im Härtetest: Hilleberg Tarp 5 inclusive Mesh Tent 1

2
927
Bild: Alexander Rohleder

Ist ein Tarp in Kombination mit einem Mesh Tent ein Zelt oder eher nicht? Eine Frage, die ich mir im Laufe des Tests des Hilleberg Tarp 5 in temporärer Verbindung mit dem Mesh Tent 1 nie gestellt hätte. 

Erst manche eigenartige Antworten auf meine Anfrage bei einem namhaften Internetforum, das sich auf Fragen und Informationen zu Reisen auf einem entfernten Kontinent, und dort im speziellen auf ein Land mit deutscher Kolonialgeschichte spezialisiert hat, brachten mich zum Nachdenken.

Bild: Alexander Rohleder

Die Frage: „Warum sehen angeblich Löwen einen in einem geschlossenen Zelt kauernden Camper nicht als potentielle Beute an, wenn doch bereits ein kleiner Spalt in dem Zelt durchaus manch einen Löwen neugierig werden lassen soll“ führte dazu, dass mir die Forumteilnehmer tatsächlich meine Kompetenz zum Zelttesten in Frage stellten, da ein Tarp in Kombination mit einem Mash-Tent doch laut Definition wohl eher kein Zelt sei! Inspiriert durch die zum Teil auch sachlichen Antworten, ist mir dennoch die Frage, ob ein Tarp in Verbindung mit einem Mash-Tent nun ein Zelt ist oder nicht,  nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Allen Bedenkenträgern und Kritikern zum Trotz: Ich schreibe nachfolgend vom Zelttest und Basta!

Bild: Alexander Rohleder

Getestet habe ich das Hilleberg Tarp 5, das aus beidseitig dreimal silikonbeschichteten, reißfestem Kerlon 1000 Material (das gleiche sehr leichte Gewebe, wie bei den Zelten der Yellow Label Produkte) hergestellt wird. Geliefert wird das Tarp 5 mit an acht Stellen vormontierten 2mm Abspannleinen. Passende Heringe müssen allerdings separat erworben werden, da diese nicht im Lieferumfang inbegriffen sind. Den ersten Einsatz sollte das Tarp 5, montiert an einem Toyota Hillux, als Sonnenschutz in der Botswanischen Mittagssonne beschreiten: Auspacken, mit drei der acht Befestigungsschnüre an der Längsseite des Expeditionsfahrzeuges befestigen, zwei Äste im Bush suchen und fixieren, mit den verbleibenden fünf Leinen abspannen – fertig. Klasse! Das Material hält locker den beständigen Windböen des afrikanischen Winters stand und bietet hervorragenden Wetterschutz –passt also wunderbar!

Bild: Alexander Rohleder

 

Als nächstes folgte ein Einsatz des Karlon 1000 Tuches als Sicht- und Wildtierschutz bei meiner ersten selbstgebauten Buschtoilette. Einfach drei große Äste im Tipistil aufstellen, das Tarp 5 drumherum fixieren und anschließend – stolz wie Bolle – Birgit von der nun bereitstehenden Toilette berichten. Leider teilte diese meine Begeisterung für diese architektonische Meisterleistung nicht im erwarteten Maße. Doch auch bei diesem Einsatz erlaubte sich das Hilleberg Tarp 5 keine Schwächen, außer vielleicht die aufgrund der Silikonbeschichtung auftretende Sandanziehungskraft des Materials. Selbst Wochen nach der Rückkehr vom schwarzen Kontinent hat das Tarp eine beständige Sandpanierung, die sich  augenscheinlich nur schwer löst.

Darüber hinaus wurde das Hilleberg Tarp 5 im Verlauf der Reise noch als zuverlässige Unterlage  bei der notwendigen Inspektion der Fahrzeugunterseite eingesetzt (was sich nach der Sichtung einer strammen und, trotz der „kalten“ Tage des afrikanischen Winters, sehr agilen Black Mamba am Folgetag in unmittelbarer Nähe zu unserem Fahrzeug als nicht nachahmenswert empfiehlt). Um den Blicken Fremder auf die Rückbank des Hillux zu erschweren, leistet das Tarp 5 auch als blickdichtes Abdeckungsmaterial gute Dienste.

Bild: Alexander Rohleder

Das Finale des Tests sollte dann endlich eine Nacht in Obhut des Tarp 5 in Verbindung des optional bei Hilleberg erhältlichen Mesh Tent 1 werden. So auf jeden Fall der ehrgeizige Plan des Testers.

Bild: Alexander Rohleder

Als Campground sollte ein sehr idyllischer wie auch einsamer (was die Population von anderen Abenteurern angeht) Platz im Herzen des Moremi Wildreservats in Botswana dienen. Der Aufbau der Hilleberg Tarp-Mesh Tent Kombination erwies sich als machbar, aber für ungeübte als „nicht ohne“. Obwohl die Aufbauanleitung wie bei allen Hillebergprodukten vorbildlich dokumentiert und illustriert ist, fiel es mir doch sehr schwer, die erst kurz zuvor kennengelernte Black Mamba aus meinen Gedanken zu verbannen. Hinzu kamen die überall im Sand zu findenden Tierspuren, die Platz für Interpretationen des hier anzutreffenden Wildwechsels zuließen. Und hier kommt nun die eingangs erwähnte Anfrage in dem besagten Forum ins Spiel. Eine der Spuren entpuppte sich nach dem recherchieren im mitgeführten „Handbuch der Säugetiere im südlichen Afrika“ als eindeutige Fährte eines Kätzchens mit mindestens 130 bis 150 kg Körpergewicht. Gehört hatte ich bei dem ein oder anderen abendlichen Lagerfeuergespräch, dass Löwen, Hyänen & Co. ein geschlossenes Zelt aufgrund der tierischen Objektwahrnehmung wie folgt sehen: alles innerhalb einer Silhouette wird nicht als eigenständiges Objekt wahrgenommen, solange es nicht hervorsticht. Ergo: ist das Zelt zu = kein Interesse von Löwe & Co! Also, anders herum: ist das Objekt offen, besteht die potentielle Gefahr, dass das Tier ggf. Interesse für das Innenleben der Unterkunft hegt (wie bereits geschrieben, habe ich zu dieser These keine wissenschaftlichen Abhandlungen finden können).

Bild: Alexander Rohleder

Für mich jedenfalls stand fest, dass ich die Nacht in dieser Umgebung nicht im Schutze des Mesh Tent 1 in Kombination mit dem Tarp 5 von Hilleberg verbringen wollte. Auch wenn die Weiterreißfestigkeit des verwendeten Karlon 1000 von der Firma Hilleberg mit mindestens 8 Kg angegeben wird, fehlte mir zu diesem Zeitpunkt die Traute, die Weiterreißfestigkeit des Mesh Tents  auf die Probe zu stellen. Aus diesem Grund beschloss ich, es beim Aufbau der Kombination zu belassen und die Nacht im Dachzelt zu verbringen (was sich spätestens am kommenden Morgen als durchaus schlau herausstellte, als eine 5 köpfige Elefantenherde nur wenige Meter von der Aufbaustelle des Hilleberg-Ensembles, gemächlich vorbei wanderte).

Bild: Alexander Rohleder

Fazit:
Zeltspezialist Hilleberg bietet mit dem Tarp 5 und dem Mesh Tent 1 eine sehr hochwertig verarbeitete und von der Beschaffenheit des Materials über jeden Zweifel erhabene Produktlinie an. Sowohl das aus Karlon 1000 hergestellte Tarp 5, als auch das gewobene sehr feinmaschige, durch einen eingenähten Boden die Bodenfeuchte abhaltende Mesh Tent 1, überzeugen einzeln oder auch in Kombination vollends. Insbesondere für Nutzer, die großen Wert auf Gewicht, Flexibilität und Qualität legen, kann diese Kombination eine echte Alternative zum „traditionellen“ Zelt darstellen. Vorausgesetzt (zumindest meinem Empfinden nach), man plant nur hin und wieder eine Nacht im Freien! Für einen Einsatz über mehrere Tage oder Wochen würde ich persönlich eher mein liebgewonnenes Enan in den Rucksack, die Alu- Box oder Satteltasche packen.

Bild: Alexander Rohleder

Ach so: selbstverständlich wurde die Zeltfähigkeit in heimischen Gefilden dann doch noch auf Herz und Nieren getestet! Fazit –Tadellos! Besonders der Kommuniktionsfaktor beim Aufstellen der Tarp-Mesh Tent Kombination ist unbeschreiblich! Noch nie wurde ich beim Aufbau eines Zeltes so häufig von interessierten Menschen angesprochen und beobachtet. Aussagen wie „so etwas wollte ich mir schon immer einmal anschaffen“ bis hin zu „das ist es doch – mehr braucht es nicht“ waren zu hören.

Text und Bilder: Alexander Rohleder

Mehr über Hilleberg the Tentmaker AB


Überblick der Rezensionen
Qualität
10
Aufbau
10
Einsatzbereich
10
Zubehör
9
Preis-Leitung
9
Material
10

2 Kommentare

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

1 × 1 =