Gelesen: Ich oben allein von Jost Kobusch

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“Ich oben allein” von Jost Kobusch, erschienen im riva Verlag ist mehr als die Geschichte eines jungen Bergsteiger-Profis. Vielmehr ist es auch eine Geschichte über die Suche nach sich selbst.

Die Suche nach sich selbst endet mit dem Tod. Das gilt nicht nur für Profi-Bergsteiger, sondern für jeden Menschen, der sich auf eine Reise in sein Innerstes begibt. Man kann seinem Selbst näher kommen, seine Bestimmung vielleicht finden, um sich selbst und seine Lebensausrichtung zu finden und zu akzeptieren, doch die Suche nach sich selbst ist ein dynamischer Prozess, der von vielen Faktoren oder Zufällen beeinflusst wird und auch mit fortschreitendem Alter nicht endet. Jedenfalls nicht, wenn man bereit dazu ist, sich immer wieder auf die Reise zu sich selbst zu begeben.

So wird sich auch Jost Kobusch immer wieder auf´s Neue hinterfragen werden, vielleicht nach jedem Achttausender Projekt oder nach jeder Expedition. Spätestens jedoch, wenn die Zeit der Höhenflüge in Form der Solo-Touren vorbei ist. Am Ende steht also der Tod, für Jost Kobusch ist dieses Ende eines, das er als Profibergsteiger einkalkuliert. Bei dem schrecklichen Unglück im Basislager des Mount Everest, als ein ganzes Land von einem Erdbeben heimgesucht wurde und die Bergsteiger noch die geringste Opferanzahl zu beklagen hatten und mehrheitlich die Spätfolgen des Erdbebens aus sicherer Entfernung, nämlich in der Heimat, in den Medien begutachten konnten, ist Jost Kobusch noch einmal mit dem Leben davongekommen. Und nicht nur dort, im Basislager des Mount Everests.

Zufällige Begegnungen, ein außergewöhnliches Talent und die unermüdliche Suche nach Liebe und Anerkennung treiben den jungen Suchenden an, immer wieder Rekorde zu brechen und sich auf waghalsige Expeditionen zu begeben. Das ganze Low Budget und in Alleinregie. Solo-Expeditionen ohne Träger und weitestgehend ohne Hilfsmittel, wie sie Jost Kobusch praktiziert, sind vielleicht die reinste Form, die waschechte Abenteurer heute noch für sich beanspruchen können. Sie sind gleichzeitig ein Statement gegen den Massentourismus an den höchsten Bergen der Welt und ein Engagement für die Menschen, die sich mit diesem Tourismus ihren Lebensunterhalt sichern. Eine Spirale, die leider nicht mehr zu durchbrechen ist, weil heute für Geld alles zu haben ist. Auch die Besteigung der höchsten Berge. Solo-Abenteurer gehen allerdings auch ein hohes und mitunter nicht zu kalkulierendes Risiko ein. Gespür und Instinkt für das richtige Handeln in Krisensituationen kann man nicht lernen und lehrt die Erfahrung. Der junge Kobusch hat viel Instinkt mitbekommen. Der Rest ist Schicksal und Glück.

Und doch: Wer sich aus seiner alltäglichen und äußerst bequemen Komfortzone hinaus bewegt, kann vieles von dem, was Jost Kobusch zu immer neuen Expeditionen bewegt, nachvollziehen. Auf die Suche nach sich selbst kann man sich der Meditation widmen oder in Form exzessiver Bewegungen. Für die einen ist es der Marathonlauf, für die nächsten ein Rennen durch´s Gebirge, ein Langdistanz-Triathlon, eine Alpenüberquerung mit dem Bike oder ein Radmarathon, das Schwimmen im offenen Gewässer oder der erste 5 Kilometer Lauf. Es kommt nie auf die Distanz oder die absolvierten Höhenmeter an, es geht um die Reise in sein Inneres. Insofern ist das Buch „Ich oben allein“ eine Anregung, eine Motivationshilfe, die uns das Leben eines jungen Profi-Bergsteigers, der mit vielen Talenten gesegnet ist, nahe bringt. Auch wenn der Klappentext des Buches mit „warum er immer eine Cola mit im Gepäck hat und es nichts Schöneres gibt, als auf einem Achttausender Schach zu spielen“ ein wenig Sensation verspricht, das Buch „Ich oben allein“ ist alles andere als eine Sensationsgeschichte. Es ist die Story eines jungen Menschen, der sich auf die Suche nach seinem Selbst begibt. Wünschen wir Jost Kobusch, dass die Suche noch lange währt.

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