Get a Grip – Skiddaw Fell Race

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Um es vorweg zu nehmen, auf das Gipfelfoto beim diesjährigen Skiddaw Fell Race in Keswick mussten die meisten Teilnehmer, die darauf wert gelegt hätten, verzichten.

Nebel und ein ziemlich kalter und stürmischer Wind trieb die Fellrunner schnell wieder vom Gipfel. Sicherlich haben die meisten der 150 Teilnehmer schon schlimmere Bedingungen erlebt. Doch für die kleine Gruppe der internationalen Teilnehmer war die Eroberung des vierthöchsten Berges in England im Rahmen des Rennens eine ganz besondere Herausforderung. Circa 900 Meter geht es vom Keswick Football Club hoch auf den Skiddaw Gipfel und eben wieder hinunter. Das Skiddaw Fell Race zählt auch für die britischen Fellrunner zu den anspruchsvolleren Rennen. Die Siegerzeit auf dem neuen Kurs betrug in diesem Jahr 1:10 h, doppelt so schnell wie die letzten Finisher und das auf rund 15 Kilometer.

Doch bei den Fellrunnern geht es nur ganz am Rande um die Zeiten, es geht um die Gemeinschaft. Und so tummelt man sich vor und nach dem Rennen in und vor den Räumen des Football Club, hält ein Schwätzchen und bereitet sich in aller Gemütlichkeit auf das Rennen vor.

In diesem Jahr tummelte sich einige britische Fellrunning-Prominenz in Keswick. Mary Wilkinson und Victoria Wilkinson beispielsweise, die auf einen Start verzichteten, weil am nächsten Wochenende die Europäischen Berglauf Meisterschaften anstehen. Oder Ben Mounsey, ein sehr guter Läufer, der äußerst gute Siegchancen hatte. Daraus wurde für den sympathischen Mann leider nichts. Unterwegs auf dem Downhill in erster Position liegend verdrehte er sich leider das Knie, humpelte am Ende in 1:50 h ins Ziel und war bester Laune. Es sei nicht sein Stil, ein Rennen abzubrechen, nur weil er nicht vorne mitmischen kann, erklärt Ben später. Auch das ist Fellrunning! Prominenz in Keswick auch aus Deutschland, zumindest dürfte er jetzt zu den Experten der britischen Art des Trailrunnings gehören. Frank Kleinsorg aus Göttingen absolvierte die berühmt und berüchtigte Bob Graham Runde über 42 Gipfel rund um Keswick in rund 20 Stunden.

Bescheidenheit regiert in der Laufgemeinschaft im Lake District. Hat man das Vergnügen Kenny Stuart, die Fellrunning-Legende aus Keswick zu treffen, dessen Rekord beim Skiddaw Fell Race von 1:02 h aufgrund des neuen Kurses auf ewig Bestand haben wird, darf man sich einfach nur wundern. Aus dem drahtigen Mann spricht Begeisterung pur, aber eben auch diese Bescheidenheit, wenn es um die eigenen Erfolge geht. Eine Marathonzeit von 2:11 h ist eine Ansage, vor allem weil diese aus der Mitte der 1980er Jahre stammt. Da macht so manch einer heute richtig Wind drumherum, Kenny Stuart hingegen versprüht diese eigenartige Brise britischen Humors – die Mischung aus Selbstironie und unglaublichen Geschichten aus den Fells ist einfach perfekt, um einen ganzen Abend zu füllen.

Kein Wunder also, dann man in der Heimat der britischen Laufschuhmarke inov-8 eine ganz besondere Atmosphäre spürt. Hier kennt jeder jeden und jeder akzeptiert eben auch jeden wie er ist. Konkurrenten sitzen später in einem der Pubs beieinander, man trifft sich beim Einkaufen oder eben in den Fells. Es gibt keinen Startschuss beim Skiddaw Fell Race, wäre ja auch viel zu viel Wirbel – 3…,2…,1…go und die Läuferschar setzt sich in Bewegung. Zum Glück an diesem 2. Juli bei trockenem Wetter, erst ganz oben sollte es ziemlich ungemütlich werden. Der Kurs ist sicher kein klassischer Fellrunning-Kurs, die Strecke nicht zu verfehlen und Orientierungssinn muss man nicht mitbringen, um hier teilzunehmen. Dafür Kraft und Ausdauer und dieses gewisse Etwas, um es downhill kopflos laufen zu lassen. Ja, vielleicht machen wir uns in unserem Dasein zu viele Gedanken. „Feet first, head will follow“ so wird der neue Slogan von inov-8 heißen und irgendwie haben sie ja damit auch recht. Nicht immer alles verdenken, das zermürbt! Auch wenn bei mir die Barrieren im Kopf bergab nicht so schnell abzubauen sind, ich arbeite daran und versuche etwas mit zu nehmen von der Natürlichkeit, Freundlichkeit und Bescheidenheit der Menschen im Lake District.

Am Ende erreiche auch ich das Ziel des Skiddaw Fell Race, als einer der letzten Teilnehmer in 2:08 h oder so. Doch das interessiert niemanden, you´ve done that attestieren mir alle, die ich hier in Keswick kennengelernt habe und ich nehme ganz schön viele well done´s und good job´s mit nach Hause, die mich noch lange begleiten werden. Alleine wegen der Atmosphäre im Lake District nimmt man viel mit nach Hause, vor allem dann, wenn man sich selbst aufmacht, um dem Geist des Fellrunning nachzuspüren. Man reist nicht als Fremder in die Lakes und geht als Freund, man kommt schon als Freund an und vielleicht ist es genau das, was eine Marke wie inov-8 am Ende des Tages ausmacht. Die Ehrlichkeit und die Bescheidenheit, die Begeisterung für´s Laufen, die die Menschen an ihren Schreibtischen jeden Tag leben.

Zum Abschluß des Skiddaw Fell Race werden Preise überreicht – ein paar Ananas, ein Gutschein für ein Paar Laufschuhe, Rucksack, Mützen, eine Hose, irgendwie bunt zusammen gewürfelt und irgendwie hat man den Eindruck, dass jeder beschenkt nach Hause geht. Die Verleihung der Preise zieht sich dahin bis schließlich auch das letzte gestiftete Präsent einen neuen Besitzer findet. Und wenn sich die Rennorganisatorin bei den Teilnehmern für das zahlreiche Erscheinen bedankt, dann tritt man mit schweren Beinen den Heimweg an, um sich unter der Woche oder am nächsten Wochenende bei einem der nächsten Rennen wieder zu sehen. Für mich ist es nach vier Tagen im Lake District an der Zeit, die Heimreise anzutreten. Mit schweren Beinen und schweren Herzens, aber ich komme wieder, meine Freunde!

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