Fasziniert von einem Kunststoff
Der Chemiker Wilbert L. (Bill)
Gore war leitender Mitarbeiter in der Forschung von DuPont in Wilmington,
Delaware, USA, wo er Mitte der 50iger Jahre vom
Potential des Polymers Polytetrafluorethylen fasziniert wurde. Er
glaubte, dass Polytetrafluorethylen oder PTFE, auch bekannt unter DuPonts Markenname TEFLON — ein
großes unerschlossenes Potential hatte. Bill experimentierte mit dem Polymer zu
Hause in seiner Freizeit. Seine Versuche überzeugten ihn, dass PTFE speziell
als Isolationsmaterial für Drähte sehr viel versprechend war – besonders für
Drähte in Großrechnern, die zu dieser Zeit gerade am Anfang ihrer Entwicklung
standen. 1957 als Bills Experimente immer noch zu Hause stattfanden, schlug
sein Sohn Bob eine Lösung für ein Problem vor, auf
das Bill bei der Herstellung von PTFE-isolierten Drähten gestoßen war.
Das war der Durchbruch, nach dem Bill gesucht hatte. DuPont war nicht daran
interessiert, sich mit Endverbraucheranwendungen für
PTFE zu beschäftigen – vielmehr wollte
man Rohstoffe an Verarbeiter liefern. Bill entschied sich DuPont zu verlassen
und es selbst zu versuchen. Bill Gore war zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt und
hatte 5 Kinder. Er nahm die persönlichen Ersparnisse, seine Anteile an DuPont
und eine Handvoll von Investoren in Anspruch zur Gründung seines „Unternehmens“.
Ein neuer Anfang
Am 1. Januar 1958 begannen Bill
und seine Frau Genevieve (Vieve) das Geschäft im Keller ihres Hauses in Newark, Delaware,
südlich von Wilmington. Der nach dem Verfahren vom Sohn Bob ummantelte Draht, der
als MULTI-TET® Draht bekannt wurde,
war das Sprungbrett für das Geschäft. Es wurde das erste Produkt der Firma Gore
und Basis für ihr erstes Patent. Mithilfe weiterer Familienmitglieder der Familie wurde der Geschäftsbetrieb dann weiter ausgebaut. Im
Laufe der Jahre wurden zudem „externe“ Vollzeit “Associates” (Gores Bezeichnung
für Mitarbeiter) eingestellt. Die meisten Produktionsanlagen wurden aus vorhandenen Teilen gebaut, von Vieves Küchengeräten bis zu Teilen aus der örtlichen
Eisenwarenhandlung und dem Wertstoffhof. Das Unternehmen fertigte viele kleine
Aufträge und nahm zwei
neue Produkte in seine Angebotspalette auf. Aber es dauerte bis zum
Sommer 1960, bis der erste große Auftrag einging.
Die 60iger Jahre
Nachfrage und Expansion
Als im Jahre 1960 Ingenieure
der Stadt Denver, Colorado, anriefen, um sieben ein halb Meilen Kabel für ein
städtisches Wasserprojekt zu bestellen, entschied sich das Ehepaar Gore schnell,
ein größeres Gebäude für ihre Draht- und Kabelproduktion zu suchen. Zum Glück konnten sie ein Grundstück in unmittelbarer
Nähe ihres Hauses kaufen. In den
frühen 60igern wuchs Gores Produktpalette kontinuierlich mit neuen elektronischen
Anwendungen, hauptsächlich für die boomende Verteidigungs- und
Computerindustrie.
Erste globale Präsenz
Schon in den Anfängen des
Unternehmens verfolgte die Familie Gore aktiv Chancen außerhalb der USA. Ein
Gore Verkaufsbüro öffnete 1964 in London. Die Herstellung von Draht- und
Kabelprodukten begann 1966 in der Nähe von
München in gemieteten Räumen und 1967 in der Nähe von Edinburgh. Mitte der 60iger traf
Gore Lizenzvereinbarungen mit japanischen Partnern und gründete ein formales
Joint Venture mit dem japanischen Kunststoffverarbeiter Junkosha im Jahr 1969.
Gore beschäftigte fast 200 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von fast 4.5
Millionen $. Im Juli 1969 „reiste“ sogar ein Gore Produkt
zum Mond mit den Apollo 11 Astronauten, und zwar ein Kabel von Gore,
welches die seismographische Geräte mit der Mondlandefähre verband.
Historischer Reckprozeß
Doch der wichtigste Meilenstein ereignete sich im Oktober des
Jahres1969 als Bob versuchte PTFE zu recken. Seine Experimente konzentriertensich auf das sehr langsame Recken von PTFE Stäben. Die
Experimente wurden schnell frustrierend. Nach jedem Recken brachen die
Stäbe schon bei einer geringen Reckrate. Als Bob sich entschied, die Stäbe mit
einem schnellen, harten Ruck zu recken, stellte er zu seiner Überraschung fest,
dass die Stäbe sich auf die bemerkenswerte 10 fache Länge des Ausgangszustandes
expandieren ließen. Es stellte sich heraus, dass Bobs Entdeckung, expandiertes
oder ePTFE genannt, ein extrem vielseitiges Material war. Unter dem Mikroskop
sah die expandierte PTFE Membrane aus wie sich überlappende Netze aus Knoten
und Fasern, mit Hohlräumen oder Poren zwischen den Polymerfasern. Hochporös und
fester als PTFE, bot expandiertes PTFE eine Reihe wertvoller Eigenschaften, wie z.B. chemische Beständigkeit, Biokompatibilität und eine
niedrige Dielektrizitätskonstante. Nach dieser Bahn brechenden Entdeckung konnte Gore seine
Produktpalette dramatisch erweitern. In den nächsten Jahren öffnete sie die Tür für GORE-TEX® Textilien und
hunderte weiterer expandierter PTFE Produkte. Als das Jahrzehnt zu Ende ging,
wurde expandiertes PTFE in Gores Kabelprodukte
eingesetzt, was Gore ermöglicht, dünnere Kabel mit einer höheren
Übertragungsrate von elektrischen Signalen zu konstruieren. Obwohl aus Bob Gore’s Entdeckung eine große Bandbreite an Produkten hervorgegangen sind, haben
diese doch ähnliche Eigenschaften. Sowohl die frühesten Gore Draht- und
Kabelprodukte wie auch die heutigen Gore Technologien
sind einmalig, innovativ und meist in sehr anspruchsvollen Anwendungen
zu finden. Sie werden oft dort eingesetzt, wo Leistung und Zuverlässigkeit
essentiell sind – ob im menschlichen Körper, in einer Chemiefabrik, auf dem
Mount Everest oder im Weltraum.
Die 70iger Jahre
Neue Anwendungen und Märkte
Im Herbst 1970 wurde Bobs
Entdeckung offiziell “GORE-TEX® expandiertes
PTFE” genannt. Die Associates waren mit der Erforschung der grundlegenden
Eigenschaften von GORE-TEX® expandiertem PTFE beschäftigt, fanden
Wege es zu verändern und stürzten sich auf neue Anwendungen. Es konnte zu Schnüren, fadenähnlichen Fasern, Schläuchen, schmalen
Bändern, breiten Membranen und Folien verarbeitet werden - es schien, als
seien die Möglichkeiten unbegrenzt. Im Unternehmensbereich,
der später unter “Industrie Produkte” zusammengefasst wurde, entstanden
neue Filtrationsanwendungen. Gores
Fähigkeit, aus expandiertem PTFE Schläuche
herzustellen führten zur Erforschung ihrer Einsatzmöglichkeiten als künstliche
Venen und Arterien. Da PTFE chemisch inert und
biokompatibel ist, verursacht es keine abstoßenden Reaktionen des menschlichen
Körpers. 1975 erhielt Gore den ersten
offiziellen Auftrag für eine GORE-TEX® Gefäßprothese,
die als Bypass für eine blockierte Arterie im Bein eines Patienten eingesetzt
wurde.
Wasserdicht und atmungsaktiv
Die Versuche, expandiertes PTFE
als Wetterschutzbekleidung zu verwenden, entwickelten sich ebenfalls weiter. Eine mit einem Oberstoff fest verbundene Membrane führte zu
einem Textillaminat, das bis dahin in der Wetterbekleidungsbranche nicht
bekannt war. Zu einem Kleidungsstück verarbeitet,
verhinderte das Laminat das Eindringen von Wasser und gleichzeitig konnte der
Schweiß des Trägers nach außen entweichen.
Diese neuartige Kombination von Eigenschaften
überwand die Nachteile der schweren, heißen, gummiartigen Materialien, die
damals oft für wasserdichte Kleidung verwendet wurden. 1976 erhielt Gore den ersten Auftrag für
GORE-TEX® Textillaminate von dem
amerikanischen Wander- und Campingteilehersteller Early Winters, der das
Material für Jacken und Zelte verwendete. 1978 führte Gore eine neue „zweite
Generation“ von GORE-TEX® Textillaminaten in den Markt ein. Am Ende
der 70iger Jahre beschäftigte Gore mehr als 1000 Mitarbeiter und
erwirtschaftete einen Umsatz von mehr als 50 Millionen $.
Die 80iger Jahre
Konsolidierung und Expansion
In den 80igern bestand das
Unternehmen Gore aus 4 großen Produktbereichen: Elektronische Produkte,
Industrieprodukte, Medizinprodukte und Textilien. In den ersten
Jahren der Dekade halfen die soliden Umsätze des Bereichs Elektronik mit Draht-
und Kabelprodukten – dem ursprünglichen Gore Geschäft – weiterhin die
Erforschung von vielen neuen Märkten für Anwendungen von expandiertem
PTFE zu
finanzieren.Die Produktpalette vergrößerte sich weiter, die Umsätze mit
GORE-TEX® Gefäßprothesen wuchsen schnell. Der Bereich Medizin führte neue Gefäßprothesen-Konstruktionen, GORE-TEX®
Nahtmaterial und neue Patch-Produkte zur Behandlung von Leistenbrüchen und
anderen Bindegewebsdefekten ein. Im Bereich Industrieprodukte wuchs das
Geschäft mit Filterschläuchen und Filterkerzen. Der Unternehmensbereich
Textilien/Fabrics führte neue Laminate für Handschuhe und Schuhe und neue
Verarbeitungsprozesse für die Bekleidungsherstellung ein. Die Marke GORE BIKE
WEAR™ wurde in Europa eingeführt. 1989 führte der
Bereich das GUARANTEED TO KEEP YOU DRY™ Versprechen ein, ein Meilenstein
und ein weiteres Novum in der Wetterbekleidungsbranche
– womit die Funktion von allen GORE-TEX® Teilen einschließlich Schuhe und Accessoires garantiert
wurde. Wenn ein Produkt die Erwartungen des Benutzers nicht erfüllte, bot Gore
dessen Austausch an, egal welcher Bekleidungs-hersteller es produziert oder
verkauft hatte.
Die
90iger Jahre
Innovation
als zentrales Thema
Als das Unternehmen in sein viertes Jahrzehnt
eintrat, war der Umsatz auf mehr als 580 Millionen $ gestiegen und das
Unternehmen beschäftigte 4500 Associates. Zu den Innovationen des Jahrzehnts gehören: Der
Unternehmensbereich Textil entwickelte sich zu einem
starken Umsatzträger und führte dabei ein winddichtes und atmungsaktives Funktionstextil
ein, bekannt als WINDSTOPPER® Fabric. Ein neues
Endverbraucherprodukt, GLIDE® Floss, entwickelte sich
aus dem
Fasergeschäft während eine weiteres Endverbraucherprodukt, ELIXIR®
Gitarrensaiten, aus einer Elektronikanwendung hervorging. Gore präsentierte
sein erstes giftzerstörendes Filtersystem und auch eine Membrane zur Anwendung
in der Brennstoffzellentechnologie. Der Bereich Medizin führte neue Patch-Produkte
und Materialien zur Verstärkung von Bindegeweben ein. Der Bereich Medizin investierte auch in die
Erforschung von “minimal-invasiven” Produkten, die es
Chirurgen ermöglichten, Patienten ohne das Trauma eines traditionellen
Eingriffs zu behandeln.
Die
2000er
Einmalige
Produkte
Die Ausrichtung des Unternehmens auf die stetige
Entwicklung von einmaligen Produkten mit hohem Kundennutzen spiegelt sich in
dem anhaltenden Wachstum von Gore in den letzten Jahren mit Innovationen in
allen vier Divisionen. Einige Beispiele: Laufende Verbesserungen bei
Textilien bezüglich der Atmungsaktivität, des
Gewichts und der Dauerhaftigkeit wie auch bei Kleidungs- und
Schuhkonstruktionen trugen zur erfreulichen Entwicklung im Unternehmensbereich
Textilien bei – sowohl im Endverbrauchergeschäft mit GORE-TEX®
und WINDSTOPPER® Produkten als auch im Bereich Arbeitsschutzbekleidung.
2007 startete der Unternehmensbereich Fabrics eine
breitangelegte Werbe- und Verkaufsförderungskampagne, um den Markennamen
GORE-TEX® zu stärken. Das Geschäft mit Mikrofiltrationsprodukten und
winzigen Belüftungselementen – Produkte mit einer Membrane,
die einen Druckausgleich in elektronischen Bauteilen sicherstellen –
entwickelten sich ebenfalls positiv. ELIXIR® Strings wurde zur meistverkauften Saite für Akustikgitarren in den USA. Gore
Membranelektrodenpakete für Brennstoffzellen werden an die meisten Entwickler
von Brennstoffzellen in der ganzen Welt geliefert, für Anwendungen wie
Automobile, stationäre Stromerzeugung, Gabelstapler, Reserveenergieeinheiten
und Busse.
Komplementäre
Technologien
Der Unternehmensbereich Medizin hat die ersten
Kommerzialisierungen aus der Familie minimal-invasiver Produkte erfolgreich
durchgeführt: Stent-Prothesen zum Einsatz in der Lunge und dem Gallensystem
kamen als erste auf den Markt. Teile für die Behandlung von Aortenaneurysmen in
der Brust und dem Unterleib wurden als nächste zum Vertrieb zugelassen. Der GORE HELEX Septal Occluder für die
Behandlung von angeborenen Herzdefekten wurde
ebenfalls zum Verkauf durch die Regulierungsbehörden in den USA und Europa
freigegeben.
Ein
Blick in die Zukunft
Wenn Gore sein 50-jähriges Jubiläum feiert, tut es
das auf einer soliden finanziellen Basis. Im Geschäftsjahr, das im März 2011
endete, erzielte Gore 3,0 Milliarden $ Umsatz. Es besitzt zudem eine starke
globale Präsenz. In Asien wird Gore seine Präsenz in Asien verstärken und hat
im Mai 2008 dazu z.B. den Grundstein für ein neues Werk in Shenzen, China,
gelegt.
Weiterhin interessante Wachstumschancen hat Gore
z.B. in Bereichen wie Medizinprodukte, elektronische Medizinprodukte und hochreine Filtrationsprodukte. Gore nimmt seine
Verpflichtung, ein attraktiver Arbeitsplatz für alle Associates zu sein, ernst. Gore hat eine solide kulturelle Grundlage auf fest
verankerten Werten und profitiert vom Wissen und der Leistung von mehr als 9000
talentierten Associates weltweit.