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19.08.2011 16:17:00

soq.de – FirstSteps: GORE

Fasziniert von einem Kunststoff
Gore FirststepsDer Chemiker Wilbert L. (Bill) Gore war leitender Mitarbeiter in der Forschung von DuPont in Wilmington, Delaware, USA, wo er Mitte der 50iger Jahre vom Potential des Polymers Polytetrafluorethylen fasziniert wurde. Er glaubte, dass Polytetrafluorethylen oder PTFE, auch bekannt unter DuPonts Markenname TEFLON — ein großes unerschlossenes Potential hatte. Bill experimentierte mit dem Polymer zu Hause in seiner Freizeit. Seine Versuche überzeugten ihn, dass PTFE speziell als Isolationsmaterial für Drähte sehr viel versprechend war – besonders für Drähte in Großrechnern, die zu dieser Zeit gerade am Anfang ihrer Entwicklung standen. 1957 als Bills Experimente immer noch zu Hause stattfanden, schlug sein Sohn Bob eine Lösung für ein Problem vor, auf das Bill bei der Herstellung von PTFE-isolierten Drähten gestoßen war. Das war der Durchbruch, nach dem Bill gesucht hatte. DuPont war nicht daran interessiert, sich mit Endverbraucheranwendungen für PTFE zu beschäftigen – vielmehr wollte man Rohstoffe an Verarbeiter liefern. Bill entschied sich DuPont zu verlassen und es selbst zu versuchen. Bill Gore war zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt und hatte 5 Kinder. Er nahm die persönlichen Ersparnisse, seine Anteile an DuPont und eine Handvoll von Investoren in Anspruch zur Gründung seines „Unternehmens“.
 
Ein neuer Anfang
Gore Firststeps Am 1. Januar 1958 begannen Bill und seine Frau  Genevieve (Vieve) das Geschäft im Keller ihres Hauses in Newark, Delaware, südlich von Wilmington. Der nach dem Verfahren vom Sohn Bob ummantelte Draht, der als MULTI-TET® Draht bekannt wurde, war das Sprungbrett für das Geschäft. Es wurde das erste Produkt der Firma Gore und Basis für ihr erstes Patent.  Mithilfe weiterer Familienmitglieder der Familie wurde der Geschäftsbetrieb dann weiter ausgebaut. Im Laufe der Jahre wurden zudem „externe“ Vollzeit “Associates” (Gores Bezeichnung für Mitarbeiter) eingestellt. Die meisten Produktionsanlagen wurden aus vorhandenen Teilen gebaut, von Vieves Küchengeräten bis zu Teilen aus der örtlichen Eisenwarenhandlung und dem Wertstoffhof. Das Unternehmen fertigte viele kleine Aufträge und nahm zwei neue Produkte in seine Angebotspalette auf. Aber es dauerte bis zum Sommer 1960, bis der erste große Auftrag einging.
 
Die 60iger Jahre
Nachfrage und Expansion
Spezialkabel von Gore kommen auch in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz. Ob im Airbus, beim Space-Shuttle oder im zur Internationalen Raumstation ISS gehörenden ATV (Automated Transfer Vehicle). Als im Jahre 1960 Ingenieure der Stadt Denver, Colorado, anriefen, um sieben ein halb Meilen Kabel für ein städtisches Wasserprojekt zu bestellen, entschied sich das Ehepaar Gore schnell, ein größeres Gebäude für ihre Draht- und Kabelproduktion zu suchen. Zum Glück konnten sie ein Grundstück in unmittelbarer Nähe ihres Hauses kaufen. In den frühen 60igern wuchs Gores Produktpalette kontinuierlich mit neuen elektronischen Anwendungen, hauptsächlich für die boomende Verteidigungs- und Computerindustrie.
 
Erste globale Präsenz
Spezialkabel von Gore kommen auch in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz. Ob im Airbus, beim Space-Shuttle oder im zur Internationalen Raumstation ISS gehörenden ATV (Automated Transfer Vehicle). Schon in den Anfängen des Unternehmens verfolgte die Familie Gore aktiv Chancen außerhalb der USA. Ein Gore Verkaufsbüro öffnete 1964 in London. Die Herstellung von Draht- und Kabelprodukten begann 1966 in der Nähe von München in gemieteten Räumen und 1967 in der Nähe von Edinburgh. Mitte der 60iger traf Gore Lizenzvereinbarungen mit japanischen Partnern und gründete ein formales Joint Venture mit dem japanischen Kunststoffverarbeiter Junkosha im Jahr 1969. Gore beschäftigte fast 200 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von fast 4.5 Millionen $. Im Juli 1969 „reiste“ sogar ein Gore Produkt zum Mond mit den Apollo 11 Astronauten, und zwar ein Kabel von Gore, welches die seismographische Geräte mit der Mondlandefähre verband.
 
Historischer Reckprozeß
Was mit ummanteltem Draht im Keller begann, sind heute innovative Speziallösungen für Elektronik- und Industrieprodukte. Doch der wichtigste Meilenstein ereignete sich im Oktober des Jahres1969 als Bob versuchte PTFE zu recken. Seine Experimente konzentriertensich auf das sehr langsame Recken von PTFE Stäben. Die Experimente wurden schnell frustrierend. Nach jedem Recken brachen die Stäbe schon bei einer geringen Reckrate. Als Bob sich entschied, die Stäbe mit einem schnellen, harten Ruck zu recken, stellte er zu seiner Überraschung fest, dass die Stäbe sich auf die bemerkenswerte 10 fache Länge des Ausgangszustandes expandieren ließen. Es stellte sich heraus, dass Bobs Entdeckung, expandiertes oder ePTFE genannt, ein extrem vielseitiges Material war. Unter dem Mikroskop sah die expandierte PTFE Membrane aus wie sich überlappende Netze aus Knoten und Fasern, mit Hohlräumen oder Poren zwischen den Polymerfasern. Hochporös und fester als PTFE, bot expandiertes PTFE eine Reihe wertvoller Eigenschaften, wie z.B. chemische Beständigkeit, Biokompatibilität und eine niedrige Dielektrizitätskonstante.  Nach dieser Bahn brechenden Entdeckung konnte Gore seine Produktpalette dramatisch erweitern. In den nächsten Jahren öffnete sie die Tür für GORE-TEX® Textilien und hunderte weiterer expandierter PTFE Produkte. Als das Jahrzehnt zu Ende ging, wurde expandiertes PTFE in Gores Kabelprodukte eingesetzt, was Gore ermöglicht, dünnere Kabel mit einer höheren Übertragungsrate von elektrischen Signalen zu konstruieren.  Obwohl aus Bob Gore’s Entdeckung eine große Bandbreite an Produkten hervorgegangen sind, haben diese doch ähnliche Eigenschaften. Sowohl die frühesten Gore Draht- und Kabelprodukte wie auch die heutigen Gore Technologien sind einmalig, innovativ und meist in sehr anspruchsvollen Anwendungen zu finden. Sie werden oft dort eingesetzt, wo Leistung und Zuverlässigkeit essentiell sind – ob im menschlichen Körper, in einer Chemiefabrik, auf dem Mount Everest oder im Weltraum.
 
Die 70iger Jahre
Neue Anwendungen und Märkte
Im Herbst 1970 wurde Bobs Entdeckung offiziell “GORE-TEX® expandiertes PTFE” genannt. Die Associates waren mit der Erforschung der grundlegenden Eigenschaften von GORE-TEX® expandiertem PTFE beschäftigt, fanden Wege es zu verändern und stürzten sich auf neue Anwendungen. Es konnte zu Schnüren, fadenähnlichen Fasern, Schläuchen, schmalen Bändern, breiten Membranen und Folien verarbeitet werden - es schien, als seien die Möglichkeiten unbegrenzt. Im Unternehmensbereich, der später unter “Industrie Produkte” zusammengefasst wurde, entstanden neue  Filtrationsanwendungen. Gores Fähigkeit, aus expandiertem PTFE Schläuche herzustellen führten zur Erforschung ihrer Einsatzmöglichkeiten als künstliche Venen und Arterien. Da PTFE chemisch inert und biokompatibel ist, verursacht es keine abstoßenden Reaktionen des menschlichen Körpers. 1975 erhielt Gore den ersten offiziellen Auftrag für eine GORE-TEX® Gefäßprothese, die als Bypass für eine blockierte Arterie im Bein eines Patienten eingesetzt wurde.
 
Wasserdicht und atmungsaktiv
Im Katalog des ersten Kunden, Early Winters, wird GORE-TEX Rainwear 1977 als “possibly the most versatile piece of clothing you’ll ever  wear“ (das wahrscheinlich vielseitigste Kleidungsstück, das Sie jemals tragen werden)“ angeboten.). Die Versuche, expandiertes PTFE als Wetterschutzbekleidung zu verwenden, entwickelten sich ebenfalls weiter. Eine mit einem Oberstoff fest verbundene Membrane führte zu einem Textillaminat, das bis dahin in der Wetterbekleidungsbranche nicht bekannt war. Zu einem Kleidungsstück verarbeitet, verhinderte das Laminat das Eindringen von Wasser und gleichzeitig konnte der Schweiß des Trägers nach außen entweichen. Diese neuartige Kombination von Eigenschaften überwand die Nachteile der schweren, heißen, gummiartigen Materialien, die damals oft für wasserdichte Kleidung verwendet wurden.  1976 erhielt Gore den ersten Auftrag für GORE-TEX® Textillaminate von dem amerikanischen Wander- und Campingteilehersteller Early Winters, der das Material für Jacken und Zelte verwendete. 1978 führte Gore eine neue „zweite Generation“ von GORE-TEX® Textillaminaten in den Markt ein. Am Ende der 70iger Jahre beschäftigte Gore mehr als 1000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von mehr als 50 Millionen $.
 
Die 80iger Jahre
Konsolidierung und Expansion
In den 80igern bestand das Unternehmen Gore aus 4 großen Produktbereichen: Elektronische Produkte, Industrieprodukte, Medizinprodukte und Textilien.  In den ersten Jahren der Dekade halfen die soliden Umsätze des Bereichs Elektronik mit Draht- und Kabelprodukten – dem ursprünglichen Gore Geschäft – weiterhin die Erforschung von vielen neuen Märkten für Anwendungen von expandiertem PTFE zu Erst seit 1985 aktiv, ist Gore heute europaweit führender Hersteller von Bike Wear und Running Wear. finanzieren.Die Produktpalette vergrößerte sich weiter, die Umsätze mit GORE-TEX® Gefäßprothesen wuchsen schnell. Der Bereich Medizin führte neue Gefäßprothesen-Konstruktionen, GORE-TEX® Nahtmaterial und neue Patch-Produkte zur Behandlung von Leistenbrüchen und anderen Bindegewebsdefekten ein. Im Bereich Industrieprodukte wuchs das Geschäft mit Filterschläuchen und Filterkerzen. Der Unternehmensbereich Textilien/Fabrics führte neue Laminate für Handschuhe und Schuhe und neue Verarbeitungsprozesse für die Bekleidungsherstellung ein. Die Marke GORE BIKE WEAR™ wurde in Europa eingeführt. 1989 führte der Bereich das GUARANTEED TO KEEP YOU DRY™ Versprechen ein, ein Meilenstein und ein weiteres Novum in der Wetterbekleidungsbranche – womit die Funktion von allen GORE-TEX® Teilen einschließlich Schuhe und Accessoires garantiert wurde. Wenn ein Produkt die Erwartungen des Benutzers nicht erfüllte, bot Gore dessen Austausch an, egal welcher Bekleidungs-hersteller es produziert oder verkauft hatte.
 
Die 90iger Jahre
Innovation als zentrales Thema
Als das Unternehmen in sein viertes Jahrzehnt eintrat, war der Umsatz auf mehr als 580 Millionen $ gestiegen und das Unternehmen beschäftigte 4500 Associates. Zu den Innovationen des Jahrzehnts gehören: Der Unternehmensbereich Textil entwickelte sich zu einem starken Umsatzträger und führte dabei ein winddichtes und atmungsaktives Funktionstextil ein, bekannt als WINDSTOPPER® Fabric. Ein neues Endverbraucherprodukt, GLIDE® Floss, entwickelte sich ELIXIR® Strings wurde zur meistverkauften Saite für Akustikgitarren in den USA. aus dem Fasergeschäft während eine weiteres Endverbraucherprodukt, ELIXIR® Gitarrensaiten, aus einer Elektronikanwendung hervorging. Gore präsentierte sein erstes giftzerstörendes Filtersystem und auch eine Membrane zur Anwendung in der Brennstoffzellentechnologie. Der Bereich Medizin führte neue Patch-Produkte und Materialien zur Verstärkung von Bindegeweben ein. Der Bereich Medizin investierte auch in die Erforschung von “minimal-invasiven” Produkten, die es Chirurgen ermöglichten, Patienten ohne das Trauma eines traditionellen Eingriffs zu behandeln.
 
Die 2000er
Einmalige Produkte
Mit GORE-TEX® AIRLOCK hat Gore als Weltmarktführer ein völlig neues Funktionstextil für Feuerwehrschutzkleidung entwickelt und sich damit erstmals auch dem Hitzeschutz zugewandt. Das Ziel dieser Produktentwicklung war, die aktive Sicherheit der Bekleidung zu erhöhen, also den Hitzestress für den Träger zu verringern und damit seine Leistungsreserven zu steigern, ohne dabei seine passive Sicherheit, den thermischen Schutz, zu vermindern. Die Ausrichtung des Unternehmens auf die stetige Entwicklung von einmaligen Produkten mit hohem Kundennutzen spiegelt sich in dem anhaltenden Wachstum von Gore in den letzten Jahren mit Innovationen in allen vier Divisionen. Einige Beispiele: Laufende Verbesserungen bei Textilien bezüglich der Atmungsaktivität, des Gewichts und der Dauerhaftigkeit wie auch bei Kleidungs- und Schuhkonstruktionen trugen zur erfreulichen Entwicklung im Unternehmensbereich Textilien bei – sowohl im Endverbrauchergeschäft mit GORE-TEX® und WINDSTOPPER®  Produkten als auch im Bereich Arbeitsschutzbekleidung. 2007 startete der Unternehmensbereich Fabrics eine breitangelegte Werbe- und Verkaufsförderungskampagne, um den Markennamen GORE-TEX®  zu stärken. Das Geschäft mit Mikrofiltrationsprodukten und winzigen Belüftungselementen – Produkte mit einer Membrane, die einen Druckausgleich in elektronischen Bauteilen sicherstellen – entwickelten sich ebenfalls positiv. ELIXIR® Strings wurde zur meistverkauften Saite für Akustikgitarren in den USA. Gore Membranelektrodenpakete für Brennstoffzellen werden an die meisten Entwickler von Brennstoffzellen in der ganzen Welt geliefert, für Anwendungen wie Automobile, stationäre Stromerzeugung, Gabelstapler, Reserveenergieeinheiten und Busse. 
 
Komplementäre Technologien
Mit den fortgeschrittenen Endoprothesen für den unzugänglichsten Teil der Hauptschlagader hat Gore einen weiteren Gipfel seiner langjährigen HighTech-Entwicklung im Dienst der Medizin erreicht. Der Unternehmensbereich Medizin hat die ersten Kommerzialisierungen aus der Familie minimal-invasiver Produkte erfolgreich durchgeführt: Stent-Prothesen zum Einsatz in der Lunge und dem Gallensystem kamen als erste auf den Markt. Teile für die Behandlung von Aortenaneurysmen in der Brust und dem Unterleib wurden als nächste zum Vertrieb zugelassen.  Der GORE HELEX Septal Occluder für die Behandlung von angeborenen Herzdefekten wurde ebenfalls zum Verkauf durch die Regulierungsbehörden in den USA und Europa freigegeben.
 
Ein Blick in die Zukunft
Wenn Gore sein 50-jähriges Jubiläum feiert, tut es das auf einer soliden finanziellen Basis. Im Geschäftsjahr, das im März 2011 endete, erzielte Gore 3,0 Milliarden $ Umsatz. Es besitzt zudem eine starke globale Präsenz. In Asien wird Gore seine Präsenz in Asien verstärken und hat im Mai 2008 dazu z.B. den Grundstein für ein neues Werk in Shenzen, China, gelegt. Einer von vier Gore-Standorten in Deutschland: Die Plant Feldkirchen-Westerham.Weiterhin interessante Wachstumschancen hat Gore z.B. in Bereichen wie Medizinprodukte, elektronische Medizinprodukte und hochreine Filtrationsprodukte. Gore nimmt seine Verpflichtung, ein attraktiver Arbeitsplatz für alle Associates zu sein, ernst. Gore hat eine solide kulturelle Grundlage auf fest verankerten Werten und profitiert vom Wissen und der Leistung von mehr als 9000 talentierten Associates weltweit.
 
 
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