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26.01.2012 06:40:00

Row for Silence

Row for Silence 01Janice Jakait ist am 23.11.2011 aufgebrochen, alleine in einem Ruderboot den Atlantik zu überqueren. Sie will als erste Deutsche diese Leistung vollbringen und damit auch ein Zeichen gegen Unterwasserlärm setzen.

Das Projekt
Zwischen dem Starthafen Portimão (Portugal) und dem geplanten Zielhafen in Barbados (Karibik) liegen etwa 6500 direkte Kilometer. Diese Strecke legt die 34-jährige Janice Jakait aus Neulußheim bei Speyer als erste Deutsche alleine, auch ohne Begleitboot, rudernd zurück. Sie rechnet dafür mit einer Dauer von ca. 140 Tagen und mit mehr als 1 Mio. Ruderschlägen. Row for Silence 02Pro Tag rudert sie etwa 5 Schichten à 2 Stunden. Ihr Ruderboot besteht aus extrastarken und gleichzeitig leichten Werkstoffen und wiegt leer ca. 275 kg. Das Boot verfügt über Solarpaneele, die einen Meerwasserentsalzer (notfalls auch händisch betreibbar) und die nötige Elektronik (Schiffahrt-Identifikationssystem, Radar-Reflektor, Satellitentelefon, Computer) mit Strom versorgen. Mit dem Proviant für 4 Monate und weiterem Equipment rudert Janice Jakait schließlich etwa eine Tonne über den Atlantik.
 
Die Idee
Seit 10 Jahren war es eine sich verdichtende Idee von Janice, die Herausforderung einer Atlantiküberquerung im Ruderboot auf sich zu Row for Silence 06nehmen. Die vergangenen zwei Jahre standen im Zeichen intensiver Vorbereitung in verschiedenster Hinsicht (physisch, mental, nautisch, technisch etc.), schließlich ist sie bei allen auftretenden Problemen auf sich alleine gestellt. Janice will sich aber nicht nur selbst verwirklichen. In einer Kooperation mit OceanCare setzt sie ein Zeichen für stillere Ozeane und macht auf das Problem des Unterwasserlärms aufmerksam. Zusammen hoben sie das Projekt Row for Silence aus der Taufe.

Silent Oceans
Die größten Verursacher von Unterwasserlärm sind militärische Sonare, die seismische Öl-Exploration (mit sog. Airguns) und der ständig zunehmende Frachtverkehr. Die Auswirkungen des Unterwasserlärms sind dramatisch und betreffen besonders Wale und Delfine, die primär über Geräusche kommunizieren. Aber auch ganze Fischbestände werden durch starken Lärm verdrängt, was das gesamte Ökosystem durcheinanderbringt. Starke Schallwellen können Wale und Delfine auch direkt töten, indem sie innere Verletzungen verursachen oder Strandungen auslösen. Auch Ende November kam es im Mittelmeer (Korfu) wieder zu einer Strandung gefährdeter Cuvier-Schnabelwale, die vermutlich auf Lärm zurückzuführen ist.

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Harte Herausforderungen
In den ersten Wochen auf See musste Janice bereits zahlreiche Herausforderungen meistern. Gleich zu Beginn musste sie gegen starken Wind anrudern, der drohte, sie wieder an die Küste zu werfen. Durch den harten Row for Silence 07Wellengang wurde sie auch für zwei Tage seekrank. Auch später gab es mehrmals Phasen mit bis zu 25 Knoten Wind und mehrere Meter hohen Wellen. Einige sehr heftige Gewitter entluden sich über dem kleinen Ruderboot auf dem Atlantik. Schräglagen des Bootes und Wassereintritte zerstörten einige (nicht essentielle) Geräte, ein komplettes Kentern konnte Janice bisher vermeiden. Gefahr droht auch vom Schiffsverkehr: Gleich zu Beginn musste sie die Schifffahrtspassage vor Gibraltar durchqueren. Ständig Frachter und Tanker anfunken zu müssen, ließ sie kaum schlafen. Die kritischste Situation ereignete sich in der verregneten Nacht auf den 13. Dezember. Janice geriet in ein Treibnetz und wurde beinahe von einem Fischtrawler gerammt, der vorschriftswidrig unbeleuchtet, nicht registriert und über Funk unerreichbar war. Weniger spektakulär, aber nicht weniger hart sind die dauerhaften Belastungen: ständige Durchnässung, oft auch in der Kabine, die körperlichen Anstrengungen, überall schmerzende Salzkristalle, blaue Flecken auf allen Körperteilen und nicht zuletzt die psychischen Herausforderungen wie Alleinsein, Reizarmut, Frustration und mitunter auch Angst.

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Begegnungen mit Tieren
In Phasen ruhigerer See konnte Janice das Erlebnis vollkommener Stille machen, aber auch verschiedene Meeresbewohner beobachten, darunter Schwärme von Fischen und Quallen sowie mehrmals Gruppen von Delfinen, die Row for Silence 10sich manchmal auch dem Boot näherten. Einmal weckte sie mit ihrem Ruder eine dösende Meeresschildkröte. Ein absolutes Highlight war eine halbstündige Darbietung eines springenden Buckelwals mitten auf dem Ozean! Immer wieder kommen Haie und reiben sich an ihrem Boot, darunter auch solche mit mehr als dreieinhalb Metern Länge. Kein Wunder, dass sie etwas nervös war, als sie ins Meer musste, um bremsenden Aufwuchs vom Bootsrumpf zu schrubben. Als sie dann von einem sehr großen Tier berührt wurde, rettete sie sich in Panik ins Boot. Es entpuppte sich dann aber als harmloser Wal.

Halbzeit geschafft
Am 4. Januar erreichte Janice den Punkt genau in der Mitte ihrer Strecke. Das zeigt sich auch schon in der Tierwelt: Wurde sie über Wochen von einer Sturmschwalbe begleitet, so hat Row for Silence 09sich mittlerweile eine karibische Art zu ihr gesellt. Und auch wenn sie zuletzt in einen Strömungsstrudel geriet, der sie etwa drei Tage kostete, liegt Janice gut in der Zeit. Durch die Tracking-Seite und den Blog auf rowforsilence.com kann man mitverfolgen, wo Janice gerade ist und wie es ihr ergeht.
 
Alle weiteren Informationen zum Projekt, zu Janice Jakait und zum Tagebuch gibt es unter www.rowforsilence.com. Weiterführende Informationen auch unter www.oceancare.org/de/thementiere/liste.php?kat=silent_oceans.

 

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