Wir haben das Flaggschiff von Polar mit allen Komponenten (Laufsensor, GPS-Sender, Geschwindigkeitsmesser für das Rad)während der kompletten Saison im Einsatz gehabt und auf Herz und Nieren getestet. Um es vorweg zu sagen:
Wir können an dieser Stelle nicht alle Optionen, die der RS800CX bietet, en Detail beschreiben. Das würde den Rahmen sprengen. Insofern trifft Polar´s Bezeichnung "Trainingssystem" den Nagel auf den Kopf. Womit wir auch schon beim Thema wären, denn Polar, das sind die Pioniere der mobilen Herzfrequenz-Messung und diese Erfahrungen kann man dem Weltmarktführer wohl auch kaum nehmen. Die Konkurrenz mag da andere Ansatzpunkte bieten, Herzstück aller Polar-Produkte ist die EKG-genaue und damit exakte Messung der Herzfrequenz. In den späten Siebzigern, als der finnische Professor und Polargründer aus der Not heraus die mobile Leistungsmessung in Kooperation mit finnischen Langläufern entwickelte, hatte er die Own-Funktionen, mit denen Polar seine Einzigartigkeit unter Beweis stellt, sicher noch nicht im Sinn gehabt. Alle diese Funktionen basieren auf die Messung der Herzfrequenz. Im RS800CX hat man gleich mal das komplette Programm verbaut: OwnZone, OwnIndex und OwnCal sind uns bereits seit Jahren ein Begriff. Jetzt also auch noch der OwnOptimizer. Wir waren überrascht, denn für ambitionierte Ausdauersportler bietet diese Funktion eine sehr gute Möglichkeit, den Trainingszustand, vor allem, wenn man sich in trainingsintensiven Perioden befindet, genauer unter die Lupe zu nehmen. Übertraining war gestern. Zuviel des Guten und der OwnOptimizer zeigt es deutlich. Man kann sich natürlich fragen, ob man eine solchen Hinweis neben der Ruheherzfrequenz und des OwnIndex unbedingt noch benötigt. Unserer Meinung nach trotzdem eine sinnvolle Ergänzung in Polar´s Own-Programm. Hobbysportler greifen recht selten auf eine Leistungsdiagnostik zurück. Wenn eine solche Sinn machen soll, muss man sich derselben auch zwei bis drei Mal pro Jahr unterziehen. An denen die Nachricht vorbeigezogen ist, dass zwei Drittel des Trainings im Grundlagenausdauerbereich stattfinden sollte, kann man auch nicht mehr helfen. Die OwnZone ist eine gute Option, das GA1-Training zu steuern. Während unseres Testzeitraums waren die Variationen des Trainingsbereichs von Tag zu Tag sehr unterschiedlich. Alles in allem bietet der RS800CX mit seinen Herzfrequenzoptionen zahlreiche Möglichkeiten für eine geschickte Steuerung des Trainings. "Einfach in Gebrauch", die Menüführung erschließt sich simpel. Ein paar Tasten gedrückt und schon könnte man mit dem Training beginnen, das ist viel wert. Bis sich die Funktionsvielfalt erschlossen hat und man sich dann in allen Punkten zurechtfindet, das kann je nach Auffassungsvermögen dauern. Aber dafür hat man recht lange Freude an dem RS800CX, erschließen sich doch immer weitere Möglichkeiten. Nicht alle muss man nutzen. Empfehlenswert beim Lauftraining ist der Praxiseinsatz des Laufsensors. Nach Kalibrierung zeigt er mitunter sehr exakt (nicht immer 100 Prozent, aber das hängt auch vom veränderten Laufstil, Höhenprofil, Ideallinie etc. ab) die Laufgeschwindigkeit und Entfernung an. Trainingsmethodisch wesentlich interessanter erscheint jedoch die Möglichkeit, Schrittfrequenz und Schrittlänge zu messen. Damit lässt sich sehr effizient im Rahmen des Techniktrainings am Laufstil feilen. Die sogenannte W.I.N.D Datenübertragung funktionierte bei allen Komponenten absolut einwandfrei. Auch der Geschwindigkeitsmesser beim Rad fahren wurde schnell und problemlos gefunden und zeigte zuverlässig die entsprechenden Daten. Damit ist der RS800CX ein Multisporttalent, Triathleten sollten genau so viel Freude mit dem Computer haben wie ambitionierte Läufer. Einziger Haken für die Triathleten: Herzfrequenz-Messung beim Schwimmen entfällt mit der W.I.N.D Technik. Wenn man als Triathlet auf´s Ganze geht, sollte man sich vielleicht zusätzlich den CS600X ans Rad basteln, dann hat man zwar auch sein Konto geschröpft, hat aber das Rund-um-sorglos-Paket. Zudem sind Polar-Modell fast unverwüstlich. Bei der sonntäglichen Athletenkonkurrenz lassen sich an den Handgelenken noch Produkte ausmachen, die Polar schon seit fünf und mehr Jahren nicht mehr im Angebot hat. Insofern die Hoffnung, dass auch die aktuellen Modelle auf Langlebigkleit geeicht sind. Die Ergänzung mit dem GPS-Sender haben die hohen Erwartungen nicht unbedingt erfüllt. Für Ausgleichssportarten wie Skilanglauf oder Skaten eine nette Geschichte, angesichts des hohen Batterieverschleißes allerdings auch ein Ärgernis. Die Google Earth-Applikationen fängt dieses Ärgernis nicht auf. Zudem werden hier auch "nur" Geschwindigkeit und Entfernung gemessen, da hat die Konkurrenz gleich mehrere Nasenlängen voraus, aber das Thema Navigation ist bei Polar noch kein Thema. Nach dem Motto "Schuster, bleib bei Deinen Leisten", kann man das dem RS800CX aber fast nicht übel nehmen, denn man weiß ja worauf man sich eingelassen hat. Komplettiert wird der Eindruck eines "Trainingssystems" für Ausdauersportler durch die beiliegende Software. Diese ist absolut professionell, einfach aufgebaut und bietet doch vielzählige, fast unübersehbare Möglichkeiten für eine Trainingsplanung und die entsprechende Trainingsauswertung. Besonders Freude bringt die Möglichkeit komplette Trainingseinheiten vorher auf den RS800CX zu installieren, vor allem in Sachen Intervalltraining. Als Trainer kann man seinen Athleten durch Wind und Wetter jagen, während man sich im warmen Kämmerchen auf die Auswertung freut. Aber wer lässt seinen Schützling schon gerne alleine?
TEST 1,5 |







