
1.) Gewähren Sie uns einen kurzen Einblick in Ihre Erinnerungen: Was hat damals die Faszination der Speläologie für Sie ausgemacht? War es nur der Einfluss Ihres Vaters oder war es die jugendliche Abenteuerlust, die sie damals in die Höhlen trieb und Ihrem Erfindergeist freien Lauf ließ?
Meine Kindheit stand unter dem Einfluss eines Vaters, der alles, was er tat, mit Leidenschaft machte. Bei uns zu Hause wurde immer über Höhlenforschung und diverse Erfindungen gesprochen. Ich war fasziniert von der Freundschaft und dem Respekt der Freunde meines Vaters, die in ihm einen Wegbereiter und genialen Erfinder sahen. Als er in den siebziger Jahren mit der Herstellung der ersten Ausrüstungen für die Speläologie begann, wurde mir das Ausmaß der Bewunderung, die ihm entgegengebracht wurde, sowie seine Fähigkeit, einfache, effiziente und funktionierende Lösungen zu finden, bewusst. Bei meinen Anfängen in der Speläologie stand zunächst der Wunsch im Vordergrund, von ihm beachtet und anerkannt zu werden. Ich habe im Alter von 18 Jahren mit der Speläologie begonnen und habe mich, genauso wie mein Vater es immer getan hat, mit ganzer Kraft dafür eingesetzt, Lösungen und neue Ideen für meine Freunde und Kunden zu finden und die Firma Petzl zum Erfolg zu führen. Mit 20 Jahren kannte ich meinen Vater nicht, er war für mich zu unnahbar. Dann hatte ich das Glück, mit ihm in dem Bereich zu arbeiten, der uns beide interessierte und verband. Er ist bis zum Alter von 85 Jahren in der Firma geblieben und hat ohne viel Aufhebens Dutzende Produkte entwickelt.
2.) Wie sehen Sie den heutigen Kundenstamm von Petzl? Sind es eher die Bergsteiger, Forscher oder Expeditionsteilnehmer oder Menschen, die in der Höhe arbeiten, die sich der Petzl- Produktpalette bedienen? Gibt es den typischen Petzl-User?
Unsere Kunden und viele unserer Mitarbeiter hegen eine wahre Leidenschaft für vertikale Aktivitäten, die auch ich mit ihnen teile. Es war immer mein Wunsch, dass wir im Zentrum unserer Gemeinschaft stehen und dieser Gemeinschaft dienen. Ich bin nicht an unserem Umsatz als solchen interessiert, für mich ist er nur das Ergebnis guter Arbeit. Was mich am meisten motiviert, ist die auf das Wohlergehen und die Effizienz des Menschen gerichtete Innovation sowie die Nützlichkeit unseres Tuns. Bei jedem Fortschritt, den unser Entwicklungsbüro heute erzielt, interessiert mich vor allem die Überlegung, welchen Mehrwert wir unseren Kunden dadurch anbieten können. Alles was wir machen, ist unseren Kunden neue Zugänge und Möglichkeiten anzubieten und unsere natürliche Umgebung, die wir ein wenig aus den Augen verloren haben, neu zu entdecken. Dies schafft eine Verbindung zwischen der Firma Petzl und der Gemeinschaft, mit der wir die gleichen Werte teilen.
3.) Wie viele Besucher verzeichnet das Petzl Institut jährlich und wer trifft sich im V.axess? Nennen Sie uns doch bitte ein oder zwei Beispiele, für die praktische Nutzung des V.axess?
V.Axess wurde gegründet, um unseren Vorsatz, unsere Kunden und Mitarbeiter zu informieren, auszubilden und ihnen unser Wissen und unsere Tipps zur Verfügung zu stellen, konsequent umzusetzen. Zugang, Fortschritt, Verständnis und Verbesserung der Sicherheit sind unsere treibende Kraft. Jede Woche kommen ca. 20 bis 30 Personen für unterschiedliche Ausbildungsprogramme zu uns ins V.Axess. V.Axess ist das Herzstück von Petzl, es ist auf Sicherheit und bewährte Praktiken ausgerichtet. Unseren Vertriebspartnern stellen wir Ausbildungsmodule zur Verfügung, in die sie sich von uns einweisen lassen. Anschließend setzen sie diese vor Ort nach derselben Logik wie Petzl um. Dies ist unser Bestreben: Wir wollen bewährte Praktiken mit anderen teilen und von anderen lernen, um vorwärts zu kommen. Mittlerweile haben praktisch alle Mitarbeiter von Petzl eine Ausbildung in vertikalen Aktivitäten absolviert. Für einige unter ihnen ist es ein Einstieg und für andere eine Spezialisierung, wobei der Wunsch, mit anderen zu teilen, zu motivieren, zu verstehen und vorwärts zu kommen allgegenwärtig ist. V.Axess trägt durch die Schaffung praxisähnlicher Bedingungen dazu bei, uns unserer Verantwortung gegenüber unseren Kunden besser bewusst zu werden und ermöglicht es unseren Kunden, die Risiken besser zu beherrschen.
4.) Die Petzl Stiftung unterstützt zahlreiche Projekte, die sich mit den Themen Umwelterhaltung und Nachhaltigkeit beschäftigen, aber sie dient auch für Ausbildungsprogramme zur Sicherheit. In welchen Bereichen und wie hilft die Petzl Stiftung Organisationen und Ländern? Können Sie uns auch hier Beispiele aus der Praxis nennen?
Die Stiftung ist ein Ort des Dialogs und der Öffnung unseres Unternehmens zur nicht-kommerziellen Außenwelt. Ich wollte, dass die Stiftung unserer Gemeinschaft nach Möglichkeit dabei behilflich ist, ihre Aktivität auszuleben, sich besser zu organisieren und zu verstehen. Einige herausragende Projekte: "Castel town ---in den USA (von Petzl America durchgeführtes Projekt), Erhaltung des alten Refuge de l’Aigle in Frankreich, Couloir du Goûter (Besteigung des Mont-Blanc) sowie verschiedene Projekte für Südamerika. Die Stiftung hat sich zu einem Dreh- und Angelpunkt entwickelt, der die Gemeinschaft motiviert und zusammenführt. Wir beteiligen uns bereits an über vierzig Projekten, die alle mehr oder weniger mit den Aktivitäten unseres Unternehmens zusammenhängen. Derzeit arbeiten wir an Handbüchern, die als Schulungsgrundlage für die UIAA sowie für andere Verbände in Russland, Indien, Nepal usw. dienen. Zurzeit schicken wir Ausbilder nach Nepal, um das technische Niveau der lokalen Bergführer zu verbessern.
5.) Probieren Sie selbst noch die neuen Produkte Ihres Unternehmens in der Praxis aus? Wie oft begeben Sie sich noch in die Höhe?
Ich will immer neue Produkte oder Erfindungen von Petzl testen, dann bin ich aufgeregt wie ein Kind. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, das Produkt nicht zu benutzen. Es ist soviel einfacher, sie anschließend den Kunden zu erklären. Natürlich kenne ich nicht alles, aber die regelmäßige Ausübung meiner Aktivitäten (Klettern, Tourenski, Nachtlauf) hält mich fit und gestattet es mir, über künftige Weiterentwicklungen und Verbesserungen nachzudenken. Ich bin ein Sportler mittleren Niveaus, ich bin in guter körperlicher Verfassung aber auch ein bisschen ängstlich. Ich habe keine Lust, mich zu verletzen und die Sicherheit spielt für mich eine wichtige Rolle beim Sport. Ich bewundere die Entwicklung unserer Welt und möchte in Harmonie mit ihr leben. Ich habe einen ausgeprägten praktischen Sinn entwickelt, denn ich sage mir, was gut für mich ist, muss zwangsläufig auch gut für unsere Kunden sein.
Biografie Paul Petzl
www.petzl.de







