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17.10.2011 11:53:00

5 Fragen an Antje von Dewitz, Geschäftsleiterin bei VAUDE

Antje von Dewitz
1.) Das VAUDE Kinderhaus feiert 10jähriges Jubiläum. Wer hatte damals die Idee zu einem VAUDE Kinderhaus, wie viele Kinder wurden vor zehn Jahren betreut und wie viele VAUDE Kinder oder Eltern nutzen heute das Kinderhaus?
Die Idee hatte eigentlich mein Vater Albrecht von Dewitz schon Ende der 80er, die Räumlichkeit wurde im Neubau damals bereits berücksichtigt, die Pläne jedoch nicht umgesetzt. Als ich 1998 - schwanger - ins Unternehmen einstieg, habe ich die Pläne wieder aufgegriffen. Gestartet sind wir mit 18 Plätzen für Kinder von 1-10 Jahren. Nach drei bis vier Jahren hatten wir jedoch einen regelrechten Babyboom bei VAUDE, der bis heute übrigens angehalten hat. So erweiterten wir unsere Kinderbetreuung 2006 um eine Krippengruppe für Kinder von 6 Monaten bis 3 Jahren. Heute betreuen wir insgesamt 31 Kinder, dabei stammt etwa immer die Hälfte der Kinder von VAUDE Mitarbeitern, die anderen Plätze sind für Kinder aus der Region.

2.) Ist das Kinderhaus auch eine Motivation für die Mitarbeiter mit Nachwuchs und wie nahe sind die Mitarbeiter während der Arbeitszeit ihren Kindern?
Ja, natürlich. Wir konnten viele tolle Mitarbeiter für VAUDE gewinnen, die genau diese Vereinbarkeit von Beruf und Familie gesucht haben. Es ist einfach ein gutes Gefühl für die Mitarbeiter zu wissen, dass sie im Ernstfall schnell nach dem Rechten schauen können. Parallel zum Kinderhaus haben wir uns im Unternehmen durch das Audit "Beruf und Familie" viele Ansatzpunkte geschaffen, die für eine echte Vereinbarkeit essentiell sind. So arbeiten heute bspw. 55% unserer Mitarbeiter in Teilzeit. Das heißt, viele Eltern nehmen ihr Kind zu Mittag dann mit nach Hause, oder essen mit ihnen noch gemeinsam im Kinderhaus.

3.) Dem VAUDE - Beispiel folgen zaghaft auch andere Outdoor-Hersteller. Ist die Outdoor-Szene besonders familienfreundlich?
Das darf man nicht unbedingt auf die Branche übertragen. Es ist mehr eine Frage der Firmengröße und vor allem des Commitments in der Geschäftsführung. In der Outdoor-Branche gibt es ja – zum Glück noch - viele mittelständische Unternehmen, da ist die Umsetzung vielleicht etwas leichter als in einem großen Konzern, weil schneller individuelle Lösungen gefunden werden können. Grundsätzlich geht es um den Willen der Geschäftsleitung, sich für die Mitarbeiter zu engagieren.

4.) In der VAUDE Produktpalette gibt es auch Kinderprodukte. Haben Sie die Experten mit dem Kinderhaus direkt vor Ort, zum Beispiel für Produkttests, Farbauswahl oder Passformen?
Das VAUDE Kinderhaus ist natürlich das ideale Testlabor für uns. Die Kleinen sind gnadenlos ehrlich, wenn ihnen etwas nicht gefällt – ob es um Farbe, Passform oder Details wie Kordeln oder Klettverschlüsse geht. Wir statten unsere Kinderhaus-Kinder bewusst mit VAUDE-Produkten aus und holen dann ihr Feedback ein. Dadurch dass die Kinderhaus-Kinder jede Woche einen Tag im Wald verbringen, werden die Produkte auch richtig beansprucht. So wissen wir sehr genau, was funktioniert und was nicht. Entsprechend erfolgreich und stark wachsend ist auch unser Kinderprogramm.

5.) Wie schätzen Sie die Zukunft für berufstätige Eltern ein? Müssen sich Eltern noch flexibler den Anforderungen der Arbeitsplatzsituation anpassen oder liegt es zunehmend in der Verantwortung der Industrie, sich auch um das Wohl des Nachwuchses zu kümmern?
In der Vergangenheit hatten wir bereits sehr viele Unternehmen bei VAUDE, die sich das Kinderhaus intensiv angeschaut haben. Mir fällt jedoch jetzt keines ein, in dem etwas Entsprechendes dann auch umgesetzt wurde. Meist scheitert es daran, dass sich Kinderbetreuung für Unternehmen eben nicht in harten Zahlen und Kosten-Nutzen-Analysen kalkulieren lässt, und der Erfolg, in diesem für Unternehmen unbekannten sozialen Bereich, anfangs sehr ungewiss ist. Dazu ist es tatsächlich so, dass Bedarfsanalysen bei Mitarbeitern immer eher negativ ausfallen... Das schreckt Unternehmen natürlich ab, bei scheinbar keinem Bedarf zu investieren. Unsere Erfahrung zeigt jedoch: wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen sind, lohnt es sich gleichermaßen für Unternehmen wie für Mitarbeiter. Und, das Angebot schafft die Nachfrage!

Antje von DewitzBiografie Antje von Dewitz
Der 1974 gegründete Outdoor-Ausrüster Vaude produziert Produkte für Berg- und Bikesport. Derzeit beschäftigt das Familienunternehmen mit Hauptsitz im baden-württembergischen Tettnang weltweit 1.500 Mitarbeiter, davon 530 in Süddeutschland (zusammen mit der Schwestermarke Edelrid).  Dr. Antje von Dewitz übernahm nach ihrem Studium der Wirtschaft- und Kulturraumstudien von 1998 bis 2000 das Produktmanagement für die Lifestyle-Linie „Packs n’Bags“ bei Vaude. Seit 2005 ist sie Marketingleiterin und hat 2009 die Geschäftsleitung von ihrem Vater übernommen. Zwischen 2002 und 2005 promovierte und arbeitete die heute 38-Jährige am Stiftungslehrstuhl Entrepreneurship an der Universität Hohenheim.
 
 

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